Senfkorn
Ein Senfkorn ist klein. Immer!
Merken Sie sich das gefälligst!
Ein Senfkorn hat keine andere Eigenschaft als „klein“!
Und wenn in der Bibel von einem Senfkorn die Rede ist, dann geht es immer um die Eigenschaft „klein“! Wie blöd muss man eigentlich sein, dass man das nicht erkennt?
Das ist so wie mit einem Edelstein. Ein Edelstein hat die Eigenschaft „wertvoll“. Und wenn der Edelstein in den Abfluss des Waschbeckens fällt, dann deshalb, weil er wertvoll ist (und nicht, weil er klein ist). Und dass man eine Lupe braucht, um ihn genau zu betrachten, hängt mit seinem Wert zusammen und mit nichts anderem. Und dass ich mir den Edelstein in eine Brosche fassen lasse, hat nichts damit zu tun, dass er schön ist, sondern nur mit seiner Eigenschaft „wertvoll“.
Die einzige Eigenschaft, die bei einem Edelstein relevant ist, ist „wertvoll“, und die einzige Eigenschaft, auf die es bei einem Senfkorn ankommt, ist „klein“.
Das kann doch eigentlich nicht so schwer zu verstehen sein! Herrje nochmal!
Eigenschaften des Senfkorns
Ein Senfkorn hat in der Bibel keine Eigenschaften wie Farbe, Form (rund), Gewicht, Dichte, Keimkraft. Es ist klein, nur klein! Immer! Ausnahmslos!
Und wenn es in Matthäus 17,20 und Lukas 17,6 heißt „wenn Ihr Glauben habt wie ein Senfkorn“, dann meint das selbstverständlich „klein wie ein Senfkorn“. Sicher, „klein“ steht nicht da, aber es ist per Definition die einzige Eigenschaft, die in der Bibel bei einem Senfkorn vorzukommen hat!
Denn in der anderen Geschichte, wo ein Senfkorn vorkommt (Matthäus 13,32), da geht es ja auch um die Größe des Senfkorns. Dort ist das Senfkorn Symbol für das Reich Gottes, und gesät wird klein, und was rauskommt, ist groß.
Und dann ist es ja ein Unding, zu behaupten, Jesus hätte noch ein anderes Mal ein Senfkorn zum Vergleich herangezogen und dabei auf eine andere Eigenschaft des Senfkorns (also nicht auf die Größe) Bezug genommen. Als wenn Jesus so etwas machen würde! Das ist ja fast schon Gotteslästerung! Lesen Sie doch: Lukas 17,5–6
5Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Mehre uns den Glauben!
6Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so würdet ihr zu diesem Maulbeerfeigenbaum sagen: Entwurzele dich und pflanze dich ins Meer! Und er würde euch gehorchen.
Sehen Sie das nicht? Da steht „wenn ihr Glauben habt klein wie ein Senfkorn“. Brauchen Sie eine neue Brille?
Leistungsorientierter Glaube
Wenn Sie hier lesen, dass man nur Glauben braucht, der so klein ist wie ein Senfkorn, dann hängt Ihre Leistungsfähigkeit an der Größe Ihres Glaubens.
Sicher, Sie haben „klein“ gelesen. Die Ansprüche an Ihren Glauben wären danach nicht gerade enorm.
Aber wenn das mit dem Feigenbaum jetzt nicht klappt und der keineswegs ins Meer abhaut, sondern an seinem bisherigen Standort stehen bleibt, dann würden Sie jetzt den Schuldigen kennen: Sie. Ihr Glaube war nicht groß genug. Sie hatten noch nicht einmal Glauben von der Größe eines Senfkorns.
Peinlich. Sie dürfen ein wenig beschämt sein. Sie haben Jesus enttäuscht.
Kleinglaube
Seltsam ist nun, dass Jesus kleinen Glauben immer kritisiert hat. Es gibt in den Evangelien 6 Stellen, wo Jesus das Wort „Kleingläubige“ benutzt, und zwar nicht als Kompliment.
Insbesondere in der Parallelstelle Matthäus 17,20 passt das Senfkorn als Empfehlung für kleinen Glauben überhaupt nicht: Matthäus 17,19–20
19Da traten die Jünger für sich allein zu Jesus und sprachen: Warum haben wir ihn nicht austreiben können?
20Er aber spricht zu ihnen: Wegen eures Kleinglaubens; denn wahrlich, ich sage euch, wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berg sagen: Hebe dich weg von hier dorthin!, und er wird sich hinwegheben. Und nichts wird euch unmöglich sein.
Hier ist also der Glaube des Senfkorns das Gegenteil von einem kleinen Glauben.
Vergessen Sie also die einfache, aber sinnlose Auslegung, man solle Glauben haben so klein wie Senfkorn.
Noch dazu, wo die Apostel hier bei Lukas ja darum bitten, dass Jesus ihren Glauben mehren solle. Da ist die Antwort von Jesus ja wahrscheinlich nicht: Nee, reicht schon. Wo er doch x-mal gesehen hatte, dass es mit dem Glauben der Apostel nicht so weit her war.
Vergessen Sie die Gleichung Senfkorn = klein. Diese Gleichung galt in Matthäus 13,32. Hier gilt sie nicht.
Nicht ich, sondern er
Glaube basiert ja nicht auf der Frage, was ich kann. Also nicht: Wenn ich nur genug Glaube hätte, dann könnte ich ... . So funktioniert die Psychologie des positiven Denkens.
Beim Glauben geht es ja um die Frage, was Gott kann.
Und was Gott will.
Der Glaube betrachtet also das Ziel. Das gewünschte Endergebnis.
Ebenso das Senfkorn. Das rechnet mit 3 Metern, und die strebt es an. Denn das ist möglich. Das ist vorgesehen.
Das Senfkorn sagt nicht: „Ach, ich könnte ja 3 Meter, aber ich höre bei einem Meter auf. Das spart Energie, und man hat nicht soviel Windwiderstand. Was soll ich mit 3 Metern?“
Der Maßstab ist also die Möglichkeit. Nicht die Größe meines Glaubens. Und wenn die Möglichkeit riesig oder sogar unendlich ist, dann muss ich an diese Möglichkeit glauben.
Und zwar zu 100%.
Denn eigentlich kann man gar nicht wenig glauben. Entweder Sie vertrauen, oder Sie vertrauen nicht.
Oder vertrauen Sie Ihrer Bank zu 45%, dass sie Sie nicht betrügt?
Um die Ecke
Natürlich können Sie jetzt um die Ecke rum wieder die Größe des Senfkorns reinbringen. Sie können sagen: Obwohl das Senfkorn so klein ist, rechnet es trotzdem mit 3 Metern. Dann haben Sie aber wieder das Problem, dass Sie Ihre persönlichen Eigenschaften in die Berechnung des Glaubens hineinwurschteln. Obwohl mein Glaube so klein ist ...
Letztlich sind die 3 Meter völlig unabhängig von der Größe des Ausgangsprodukts. Flieder und Holunder werden auch 3 Meter groß, bei anderen Samengrößen. Während die Größe des Ausgangsprodukts in Mt 13,32 eine Rolle spielt und ins Verhältnis zum Endprodukt gesetzt wird, will Jesus bei den Glaubensgleichnissen ja gerade den Gedanken weg vom Ausgangsprodukt (kleiner Glaube) hin zum Endprodukt (große Möglichkeiten) lenken.
Sie sollen sich nicht Gedanken über die Größe Ihres Glaubens machen. Sie sollen sich Gedanken über die Größe von Gottes Möglichkeiten machen.
Und wenn Sie so einen Glauben haben, der sich an den Möglichkeiten Gottes orientiert, dann dürften Feigenbaum und Berg kein Problem mehr darstellen.