Kolosser 1,05 wo die Hoffnung rumliegt

Nur für den Fall, dass Sie die Hoffnung verloren haben: Paulus beschreibt hier, wo sie rumliegt. Sie brauchen nicht aufs Fundbüro.

Kolosser 1,3–5

3Wir danken Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, allezeit, wenn wir für euch beten,

4da wir von eurem Glauben in Christus Jesus gehört haben und von der Liebe, die ihr zu allen Heiligen habt,

5wegen der Hoffnung, die für euch in den Himmeln aufbewahrt ist. Von ihr habt ihr vorher schon gehört im Wort der Wahrheit des Evangeliums,

Wegen der Hoffnung

Paulus dankt hier nicht für den Glauben der Kolosser oder für ihre Liebe. Er dankt eigentlich für gar nichts, sondern er dankt wegen.

Paulus dankt nur, weil es diese Hoffnung gibt. Wenn es diese Hoffnung nicht wäre, dann gäbe es hier jetzt nichts zu danken.

Wobei es nicht die Hoffnung der Kolosser ist, wegen der gedankt wird. Es ist sogar unausgesprochen nicht die Hoffnung der Kolosser, sondern es ist eine Hoffnung, die für die Kolosser im Himmel aufbewahrt wird.

Es geht also nicht darum, dass die Kolosser auf den Schatz im Himmel hoffen, und der wird im Himmel aufbewahrt.

Oder dass die Kolosser auf das ewige Leben hoffen, und das lagert halt im Himmel.

Sondern die Hoffnung selber wird im Himmel aufbewahrt.

Das ist jetzt natürlich erstmal doof. Denn eine Hoffnung brauche ich ja eigentlich in meinem Herzen oder wie auch immer man das nennen will. Ich kann ja nicht mit einer Hoffnung hoffen, die in weiter Ferne lagert.Kolosser 1,5

Gehört nicht ihnen

Aber das ist schon der Punkt: Die Hoffnung gehört gar nicht den Kolossern.

Es ist gar nicht ihre Hoffnung.

Es ist die Hoffnung von irgendwem anders.

Und da die Hoffnung im Himmel aufbewahrt ist, ist es nicht schwer, zu erraten, wem sie gehört.

Natürlich würde Gott seine Hoffnung gerne mit den Kolossern teilen.

Darum steht in Vers 5 ja auch, dass die Hoffnung „für euch“ im Himmel aufbewahrt ist.

Aber die Kolosser wollten Gottes Hoffnung nicht wirklich.

Um genau zu sein: Sie hatten eigentlich auch keine Ahnung von Gottes Hoffnung.

Darum erwähnt Paulus, dass die Kolosser doch schon einmal etwas von dieser Hoffnung gehört haben. Damals, als man ihnen das Wort vom Evangelium erklärt hat.

Also gehört hatten sie schon davon. Aber sie konnten damit nichts anfangen. Diese Hoffnung war ihnen fremd.

Die Hoffnung der Kolosser

Die Kolosser waren fromme Leute. Die waren auch wirklich zugunsten Gottes motiviert.

Sie wollten gute Christen sein.

Sie wollten es richtig machen.

Und nun hatten sie gehört, dass es tatsächlich eine Möglichkeit gab, dass ihr Glaube und ihr Christsein besser wurden.

Nämlich indem sie einige der Regeln, die Gott im Alten Bund erlassen hatte, weiterhin einhielten. Bzw. neu damit anfingen, denn die Kolosser waren von ihrer Herkunft keine Juden.

Also den Sabbath halten, die Feiertage des alten Bundes begehen, die Speisegebote beachten und solche Dinge.

Einfach ein bisschen mehr Ordnung, ein bisschen mehr Disziplin. Ein paar religiöse Übungen, ein wenig mehr offensichtlich frommes Verhalten.

Was ja auch den Vorteil hatte, dass sich der Glaube dann tatsächlich in das Alltagsleben auswirkt. Wenn man kein Schweinefleisch mehr essen darf und jeden Samstag untätig sein muss, dann sind das spürbare Auswirkungen auf das praktische Leben.

Und diese Gebote waren ja auch nicht falsch. Schließlich hatte Gott selber sie erlassen. Das war reinstes Wort Gottes.

Worauf die Kolosser hofften

Paulus konzentriert sich hier ja auf die Hoffnung.

Worauf also hofften die Kolosser?

Die Kolosser hofften auf das Reich Gottes mit allen seinen Komponenten.

Das ist das Übliche, das setze ich als bekannt voraus.

Aber sie hofften auch, dass sie durch ihre Bemühungen und ihr Engagement dieses Reich Gottes erschaffen würden.

Zum einen durch das Einhalten all dieser Regeln. Und zum anderen durch ihre Liebe zu den anderen Christen. Keine Ahnung, was die da gemacht haben, ob sie ständig Kuchen für alle gebacken haben oder ob sie die Armen in der Gemeinde unterstützt haben. Aber Paulus erwähnt das ja extra. Die waren in diesen Dingen also wohl nicht so schlecht.

Aber mit diesem allen machten sie natürlich Dinge, die hätten sie unter dem Alten Bund auch machen können. Im Alten Bund hätte man das Reich Gottes so gebaut. Und man hätte gehofft, dass dadurch, dass alle sich Mühe geben und sich alle an die Regeln halten, man das Reich Gottes bekommt.

Aber Jesus ist ja nicht gekommen, damit die Heiden das fortsetzen, was unter den Juden letztlich zu einem ausgeprägten Pharisäertum geführt hat.

Und wenn Jesus ausdrücklich darauf hinweist, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist, dann kann man dieses Reich natürlich nicht mit weltlichen Methoden bauen.

Und Disziplin ist nun mal sowas von irdisch!

Ein paar Beispiele

Die Kolosser hätten dem mondsüchtigen Jungen Medikamente besorgt. Und sie hätten ihm Kuchen gebacken und hätten ihn gebildet, auch religiös, damit er weiß, wer der Jesus ist.

Sie hätten ihn auch moralisch gebildet, dass er ein guter Mensch wird.

Aber Jesus hat den bösen Geist ausgetrieben, und das macht eben den Unterschied.

Bildung ist nicht schlecht; in unseren Gesellschaftssystemen sagt man sogar, Bildung sei das A und O. Aber Bildung beseitigt nicht das Böse. Bildung beseitigt vielleicht ein wenig Dummheit. Aber der Teufel fürchtet sich nicht vor Bildung, und Herr Putin ist ja ein einigermaßen gebildeter Mann, aber das nützt gar nichts.

Und Tafelläden und kostenlose medizinische Versorgung für Arme ist ja an sich gut. Aber es vertreibt das Böse nicht. Jesus hat keine Suppenküche eröffnet, denn das vertreibt den Hunger, aber nicht das Böse. Der Teufel fürchtet sich nicht vor vollen Mägen oder einer Verringerung der Unterschicht zugunsten der Mittelschicht.

Die Jünger in dem Sturm auf dem See hätten vielleicht ein größeres Boot gebraucht oder bessere Schöpfgeräte, ein erfahrener Seefahrtsexperte hätte ihnen möglicherweise raten können, wie sie aus so einer Situation mit maritimen Fähigkeiten wieder rauskommen. Aber Jesus hat den Sturm gestillt, das ist eine völlig andere Vorgehensweise.

Der Teufel fürchtet sich nicht vor Leuten, die gegen seine Methoden mit ihrer eigenen Kraft anrudern. Man kann mit irdischen Methoden nicht gegen den Teufel gewinnen. Aber wenn jemand dem Teufel die Werkzeuge wegnimmt, das ist schlecht.

KolosserbriefUnd so waren die Kolosser für das Böse keine große Gefahr, denn sie hofften auf ein Reich Gottes, das sie mit ihrer Disziplin, ihrem Verständnis und ihrer Motivation bauen wollten. Am Ende sollte dann irgend so etwas stehen wie dass Jesus stolz auf die Kolosser ist.

Gott hingegen hoffte auf ein Reich, in dem die Sanftmütigen das Land besitzen werden. Das ist aber mit irdischen Methoden nicht hinzubekommen. Da muss einem nur ein einziger Putin in die Quere kommen, und schon funktioniert es nicht mehr.

Gott hoffte auf ein Reich, in dem die Armen die Glücklichen sind. Das ist mit keiner einzigen noch so guten irdischen Methode hinzubekommen.

Gott hoffte auf ein Reich, in dem man nicht mehr mit den unzureichenden Mitteln der ruinierten Schöpfung gegen das Böse ankämpfte, sondern mit himmlischen Mitteln, die perfekt waren, weil sie eben nicht vom Sündenfall in Mitleidenschaft gezogen worden waren.

Gott hoffte auf ein Reich, in dem man nicht mehr mit möglichst viel Kraft und Einsatz das Gute bewirkte, also durch viel Kuchenbacken und kompromisslose Sabbatheiligung, sondern wo Gottes Kraft in Schwachheit zur Vollendung kommt, oder wie Sacharja es gesagt hat: Sacharja 4,6

Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht der HERR der Heerscharen.

Die Wiederholung

Das, was die Kolosser hier machen, ist die Wiederholung des goldenen Kalbes auf einer höheren Ebene.

Die Israeliten hofften damals auf ein neues Land, auf die Freiheit von Unterdrückung, auf ein glückliches Leben. Das Problem dabei war der unsichtbare Gott. Wir sind heute halbwegs daran gewöhnt, aber diese Menschen damals hatten noch nie etwas von einem unsichtbaren Gott gehört, das Konzept war völlig unbekannt.

Und darum war das damals alles so schwierig. Das Reich und die Erlösung und das Gesetz, das waren alles wunderbare Sachen. Aber wie soll man mit einem unsichtbaren Gott zurechtkommen?

Die Kolosser wiederholten jetzt diese Missstände.

An den unsichtbaren Gott hatte man sich mittlerweile gewöhnt. Aber im alten Bund hatte man diesem unsichtbaren Gott wenigstens mit sichtbaren Methoden gedient. Also mit Essen und Feiertage halten und lebendige Tiere als Opfer bringen und den Armen etwas von der Ernte abgeben.

Und genau das versuchten die Kolosser jetzt weiterhin zu machen.

Aber das neue Reich verlangte danach, dass man Berge versetzte, jedoch ohne Schaufel.

Das neue Reich verlangte, dass man selber Vollmacht hatte, aber ohne die Insignien der Macht wie Krone oder Priestergewand. Eine Vollmacht, die niemand sehen konnte. An die man glauben musste.

Das neue Reich verlangte, dass man das Böse besiegte mit Gutem. Das Böse zu besiegen mit sichtbaren Waffen wie Baseballschläger oder Kalaschnikow, das war eine verständliche Methode. Das war laut, deftig und die Wirkung zeigte sich umgehend. Aber das Böse überwinden mit Gutem, wie sollte das gehen? Wie beeindruckt würde das Böse sein?

Brote für 5000 Leute zu backen, dass hätten die Kolosser mit Engagement und Einfallsreichtum geschafft. Aber im neuen Reich werden die Brote für 5000 Leute ohne Backofen produziert.

Schwimmen konnten die Kolosser. Aber im Neuen Reich wird auf dem Wasser gegangen.

Zusammenfassung

Die Kolosser hofften darauf, dass es besser wird. (Wer tut das nicht?) Aber in ihrer Hoffnung würde es besser durch ihre eigene Kraft. Durch die Menge ihrer Hingabe, durch einen geheiligten Lebensstil, durch das Beachten biblischer Festtage, durch mehr Anstrengung in der Mission, mehr Bibellesen und eine religiös einwandfreie Ernährung.

Damit würden aber die Ergebnisse ihres Handelns immer nur irdisch sein. Mit irdischen Methoden erreicht man keine überirdischen Ergebnisse. Die Hoffnung der Kolosser war also vergleichsweise bescheiden. Mehr als natürliche irdische Ergebnissen waren nicht zu erwarten.

Gott hoffte schon auch, dass es besser wird. Dafür hatte er ja schließlich den Jesus geschickt. Aber Gott wollte, dass es durch seine Kraft geschieht, damit es wirklich sichtbar und massiv besser wird.

Gott hoffte auf eine völlig andere Qualität seines Reiches als die Kolosser.

Das Reich, auf das Gott hoffte, ging weit über die Hoffnung der Kolosser hinaus.

Aber Gott ist kein Egoist. Er würde seine viel größere Hoffnung gerne mit den Menschen teilen. Darum, sagt Paulus, liegt die Hoffnung bereit. Im Himmel. Da kann man sie abholen und sich zu eigen machen.

Paulus hat die Hoffnung, dass die Leute sich endlich die Hoffnung Gottes zu eigen machen.