1.Korinther 15,12-19 – wir schenken uns die Auferstehung
Sie glauben, Ihre Gemeinde hätte Probleme mit der wahren Lehre? Da schauen Sie mal, was die Korinth für Probleme entwickelt haben: 1.Kor 15,12
12 Wenn aber gepredigt wird, dass Christus aus den Toten auferweckt sei, wie sagen einige unter euch, dass es keine Auferstehung der Toten gebe?
Und wohlgemerkt: Sie hatten dieses Problem innerhalb der Gemeinde. Es geht Paulus nicht darum, dass irgendwelche Griechen nicht an die Auferstehung glauben. Dass Leute, die mit Jesus überhaupt nichts am Hut haben, sich aus einer Auferstehung nicht machen, das ist das Natürlichste von der Welt. Darüber kann man nicht meckern, etwas anderes wäre gar nicht zu erwarten gewesen.
Aber hier geht es um Leute, die zur Gemeinde gehörten und dort offenbar auch den Mund aufmachten. Womit wir zumindest sehen, dass die Dinge, die wir in den großen Kirchen heute erleben, überhaupt nicht neu sind. Sollten Hans Küng und Eugen Drewermann meinen, sie hätten was Neues entdeckt, so befinden sie sich im Irrtum. Schon im ersten Jahrhundert gab es Leute, die wollten irgendwie „christlich“ sein, aber an die Auferstehung als historische Wahrheit glaubten sie nicht.
Kein Beweis gar nicht.
Nun muss man natürlich nicht glauben, dass Gott eine Leiche wieder auferweckt hat, damals in Palästina. Denn niemand kann das beweisen, dass die Auferstehung stattgefunden hat. Ein geschichtliches Ereignis, das so lange zurück liegt, kann man nicht beweisen. Und wenn es bei Alexander dem Großen schon schwierig ist, so ist es bei jemandem, der wie Jesus so gar keine Spuren in der Geschichte hinterlassen hat, keine Gebäude und keine selbstgemachten Gedenksteine und keine gewonnenen Kriege und auch ansonsten nichts, was man ausgraben kann, völlig unmöglich, irgendwas über ihn zu beweisen.
Aber man kann die Sache mit der Auferstehung ja auf ihre Wahrscheinlichkeit hin überprüfen. Man kann Daten sammeln und sie auswerten und sich dann fragen: Welches Bild vermitteln sie? Und natürlich, es kann sein, dass zwei Leute die gleichen Daten vorliegen haben und zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Man wird also aufgrund der Daten, die man hat, eine Entscheidung treffen müssen, manchmal ganz subjektiv, nur für sich alleine.
Eine Möglichkeit
Und natürlich kann man zu der Einschätzung kommen, dass es eine Auferstehung als historische Tatsache nie gab. Man kann sagen: Heute steht kein Mensch mehr von den Toten auf, das geht einfach nicht, und dann ist es vor 2000 Jahren auch nicht gegangen. Und dann ist der Fall klar. Wobei die Tatsache, dass heute keine Leiche mehr lebendig wird, eigentlich kein Argument ist. Die Autoren der Bibel haben die Sache mit der Auferstehung Jesu ja deswegen so ausführlich beschrieben, weil das so außergewöhnlich war. Der letzte Abschnitt in den Evangelien ist deshalb so ausführlich, weil das alles andere als alltäglich war.
Wenn etwas passiert wäre, was nachvollziehbar ist mit der menschlichen Erfahrung und dem menschlichen Denken, dann braucht man nicht so ein großes Ding daraus zu machen. Und wenn ich von Gott und Jesus nur das glaube, was ich verstehe und was mir einleuchtet – also ich sage ja immer, wir verstehen oft unseren Ehepartner nicht, manchmal verstehen wir sogar uns selber nicht, aber Gott, der ungleich größer ist als alle die Menschen, die uns ein Rätsel sind, den meinen wir verstehen zu müssen. Aber ein Gott, den ich verstehe und dessen Handeln und Wollen ich nachvollziehen kann, ist kein Gott. Sondern der ist dann niedriger als die Katze von unseren Nachbarn – denn wer versteht schon, was im Kopf einer Katze vor sich geht. Einen Gott, den ich verstehe und dessen Handeln ich nachvollziehen und erklären kann, den kann ich mir schenken. Der Glaube an einen solchen Gott ist für die ebengenannte Katz.
Kaum möglich.
Und all die Möglichkeiten, die man in Betracht gezogen hat, warum das Grab denn nun leer war – und warum offenbar jemand die Leiche hat verschwinden lassen, die Leichentücher aber dagelassen hat – ob man nun die Römer verdächtigt – aber die hatten ja angeblich extra eine Wache vor das Grab gestellt, damit genau das nicht passiert – oder ob man die führenden Juden verdächtigt – macht aber keinen Sinn, denn die hätten, nachdem das Gerücht von der Auferstehung seine Runde gemacht hat, ja die Leiche wieder hervorzaubern können, um den ganzen Zauber zunichte zu machen – oder ob man die Jünger verdächtigt –
aber die Veränderung der Jünger war zu stark, ihre Überzeugungskraft zu massiv, als dass das alles auf einer Lüge beruhen könnte. Petrus hat nicht nur einmal im Gefängnis gesessen wegen dieser Sache, und Jakobus Zebedäus ist getötet worden deswegen – sollen die das alles auf sich genommen haben, nur damit ihre Lüge nicht auffliegt, von der sie ja noch nicht mal so richtig viel Gewinn hatten?
Paulus findet die Idee, die Auferstehung habe nicht stattgefunden, ziemlich blöde, und er nennt in 1.Kor 15 ab Vers 5 eine ganze Reihe Leute, die den Auferstandenen gesehen und gesprochen haben – und wer es aufmerksam liest, der merkt, dass Paulus die Frauen weglässt, obwohl die ja wohl die ersten waren – aber Paulus versucht sich hier in einer Beweisführung, und Frauen waren damals als Zeugen vor Gericht nicht zugelassen. Und Paulus berichtet von den 500 Gläubigen, die Jesus gesehen haben, und sagt deutlich, dass eine ganze Reihe von ihnen noch leben – und damit sagt er zwischen den Zeilen: „Fragt die doch, wenn Ihr’s nicht glaubt.“
Aber natürlich bleibt es letztlich dabei: Beweisen kann man die Auferstehung nicht. Wenn jemand das mit der auferweckten Leiche nicht glauben will, den wird man mit nichts überzeugen können.
Der Blödsinn schlechthin
Und darum macht Paulus es jetzt anders: er begründet, warum es absoluter Unfug ist, Christ sein zu wollen, aber die Auferstehung als historische Tatsache zu bezweifeln:
1.Kor 15,13-19
13 Wenn es aber keine Auferstehung der Toten gibt, so ist auch Christus nicht auferweckt;
14 wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist also auch unsere Predigt inhaltslos, inhaltslos aber auch euer Glaube.
15 Wir werden aber auch als falsche Zeugen Gottes befunden, weil wir gegen Gott bezeugt haben, dass er Christus auferweckt habe, den er nicht auferweckt hat, wenn wirklich Tote nicht auferweckt werden.
16 Denn wenn Tote nicht auferweckt werden, so ist auch Christus nicht auferweckt.
17 Wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden.
Und das heißt letztlich, Ihr habt keinen Zugang zu Gott. Sonst wäre das mit den Sünden ja vielleicht nicht so schlimm, denn wir kennen ja jede Menge Menschen um uns herum, die leben so mit ihren Sünden, und die leben ja nicht wirklich schlecht. Aber die für-null- und-nichtig-Erklärung unserer Sünden ist die Voraussetzung dafür, dass wir uns Gott überhaupt nähern können, dass wir Kontakt zu ihm aufnehmen können. Gott ist zu heilig und zu rein, als dass wir mit dem Schmuddel an unserem Gewissen und unserer Gesinnung den Goldlackboden vor Gottes Thron platttreten dürften.
Damit man „hinzutreten kann zum Thron der Gnade“, wie das der Hebräerbrief so altmodisch sagt, muss man eine reine Weste haben, und dazu braucht es laut Paulus die Auferstehung.
18 Also sind auch die, welche in Christus entschlafen sind, verlorengegangen.
Die, die Jesus vertraut hatten und dann gestorben sind, die wären jetzt die Gelackten. Und wahrscheinlich wüssten sie es noch nicht einmal.
19 Wenn wir allein in diesem Leben auf Christus gehofft haben, so sind wir die elendesten von allen Menschen.
Ja, das sind wir, denn dann sind wir einer Farce aufgesessen, dann haben wir einen Erlöser, der uns nicht erlösen kann, denn er hat keine Kraft, er ist ja tot. Damals, in Palästina, da hat er Kraft gehabt, aber diese Zeiten sind seit Golgatha vorbei. Und wenn Jesus nicht auferstanden ist, dann ist das Böse nicht besiegt, sondern dann hätte es den Sohn Gottes platt gemacht. Und dann wäre der Teufel nicht aus dem Himmel, aus der Sphäre Gottes rausgeflogen – na Mahlzeit.
Wenn doch
Wenn aber das völlig unerwartete passiert ist, wenn tatsächlich einmal einer aus dem Tod zurückgekommen ist – dann kann das für den, der will, ungeahnte Konsequenzen haben.
Denn dann heißt das, dass die Grenze zwischen hier und dort, zwischen hüben und drüben undicht geworden ist. Und zwar in beide Richtungen.
Gott hatte aus seiner Richtung die Grenze ja schon dadurch etwas durchlöchert, dass er seinen Sohn geschickt hat, in dem wie auch immer er selbst anwesend war. Der Geist Gottes wohnte irgendwie in Jesus, man erzählte ja, man habe es gesehen, wie er da am Jordan den Geist per Luftpost bekam. Aber dieses Durchbrechen der Grenze zwischen dort und hier war noch ein Einzelfall. Es war in gewisser Hinsicht die Wiederholung eines Geschehens, das schon Elia und Elisa auf ihre Art erlebt hatten und Jesaja und Hesekiel auch. Gott hatte im Lauf der Geschichte die Grenze von seiner Seite aus immer mal wieder durchbrochen.
Kleiner Grenzverkehr
Aber jetzt ist Jesus erst gestorben und war damit drüben, kommt dann wieder zurück, geht dann wieder hin und sagt, er schickt dann was rüber, wenn er drüben ist, nämlich diesen Heiligen Geist, diese Instanz Gottes für alle, die Gott als persönliches Einbaumodul wollen.
Und wenn die Grenze offen ist, wenn ich Zugang zu Gott habe und Gott Zugang zu mir, und wenn man dafür nicht erst tausend Rituale erledigen muss, sondern ohne Vorwort, Einleitung, Präambel oder Anlauf mit Gott reden kann und Gott mit einem – wenn Salomo von Gott was hören wollte, dann musste er nach Gibeon, oder Gott hat einen Propheten geschickt, der dem Salomo was ausgerichtet hat – wir hätten, wenn die Auferstehung historisch wäre und damit die Grenze in die andere Dimension offen, wir hätten dann in gewisser Hinsicht wieder die Stufe von Mose, mit dem Gott redete wie mit einem Freund, oder wie Adam, der da im Garten gelegentlich Gott begegnete.
Und wenn Gott die Grenze aufgemacht, dann kann niemand sie mehr zumachen. Außer Gott natürlich, aber der will ja scheinbar nicht. Und jeder, der sich Gottes Willen widersetzen will, müsste stärker sein als er. Na, und das wollen wir ja mal sehen. Somit bleibt die Grenze vorerst offen.
Und letztlich heißt das, dass einiges himmlisch werden kann auf dieser Erde. Vielleicht nicht in dem Sinn, wie man normalerweise „einfach himmlisch“ sagt, aber wenn die Grenze tatsächlich undicht ist, dann ist die andere Seite kein Ausland mehr, und von der anderen Seite gesehen, ist bei uns kein Ausland mehr. Im alten blauen Liederbuch („Jesu Name nie verklinget“, Band 1) hieß das Lied 34 „Der Himmel steht offen, Herz weißt Du, warum?“ Ja, darum, genau darum.
Und warum im NT so viel darüber drin steht, wie gut Beten gehen kann und was beim Beten alles rauskommen kann – ja, das ist, weil man da oben offene Türen einrennt.
Dann ist der Rest auch wahr.
Und wenn das wahr ist, dass Jesus auferstanden ist, wenn also das Größte und Unmöglichste passiert ist – denn die Wissenschaftler forschen ja heute an vielen Dingen, um sie in der Zukunft möglich zu machen, aber davon, dass jemand daran forscht, wie man Tote wieder lebendig kriegt, habe ich noch nichts gehört – da ist die Reise zum Mars wahrscheinlicher oder dass es ein Mittel gegen Erkältung gibt – also wenn das Größte, was Jesus über sich selbst vorher gesagt hat, wenn das tatsächlich eingetreten ist – dann kann man den Rest, den Jesus so von sich gegeben hat, vermutlich auch glauben. Wenn das mit der Auferstehung wahr ist, dann ist das Andere auch wahr.
Vielleicht kann man es so zusammen fassen: Wenn das mit der Auferstehung möglich ist, dann ist auch alles andere möglich. Und ich erinnere mich irgendwie, das auch ein paar Mal in der Bibel gelesen zu haben, dass bei Gott eigentlich nichts unmöglich ist.
Dann hat das Böse nicht das letzte Wort.
Wir sind ja in dieser Welt nicht gerade selten mit dem Bösen konfrontiert, und das scheint manchmal sehr stark zu sein und es sieht manchmal so aus, als wenn so gar kein Kraut dagegen gewachsen ist und als wenn die Lage auf diesem Feld sehr hoffnungslos ist.
Aber wenn Jesus wirklich auferstanden ist, wenn der restlosen Zerstörung des Menschen ein Ende gesetzt ist, dann hat das Böse nicht das letzte Wort. Das Böse ist vielleicht lauter als das Gute, und es ist vielleicht blutrünstiger als das Gute, oder es ist trickreicher oder hinterhältiger als das Gute, aber es hat ein Höchsthaltbarkeitsdatum, es läuft irgendwann ab, es hat ein Verfallsdatum.
Und wenn der Tod, der ja vielleicht die massivste Ausdrucksform des Bösen ist, wenn der im Falle Jesu meinte, am Kreuz das letzte Wort zu haben – er hat sich geirrt, denn was Jesus anging, hatte Gott eine ganze Reihe letzter Worte. Und wenn das an dieser extremen Stelle gegolten hat, dann gilt das auch in den weniger extremen Fällen unseres Lebens. Dann ist das Böse, was wir erleben, vorläufig, und danach kommt noch jemand anderes zu Wort. Und darauf kann man sich verlassen, darauf kann man bauen.
Zusammenfassung
Wenn Jesus nicht auferstanden ist, also so richtig und volle Kanne, dann, so sagt Paulus, kannst Du alles vergessen. Er wiederholt das in 1.Kor 15,32
32 Wenn ich <nur> nach Menschen<weise> mit wilden Tieren gekämpft habe zu Ephesus, was nützt es mir? Wenn Tote nicht auferweckt werden, so »lasst uns essen und trinken, denn morgen sterben wir«!
Was die Auferstehung angeht, so definiert sie den kleinen Unterschied zwischen absolut nichts und absolut alles. Sie definiert den Unterschied zwischen völliger Bedeutungslosigkeit und gewaltigen Auswirkungen.
Und das ist die Veränderung, die wir bei den Jüngern in diesen wenigen Wochen in Palästina sehen: Sie dachten zuerst, sie haben alles verloren, und benahmen sich dann so, als hätten sie alles gewonnen. Sie hatten erkannt: Die Frage nach der Auferstehung entscheidet zwischen irdischer Begrenztheit oder unendlichen Möglichkeiten.
Paulus beendet diesen Abschnitt zufälligerweise genauso, wie ich diesen Artikel beende: 1.Kor 15,57
57 Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus!