1.Korinther 7,14 – die sauberen Kinder
Immer wieder muss man staunen, wie viel die Korinther von Jesus verstanden hatten.
In welcher Tiefe sie die Revolution empfunden haben, die Jesus gebracht hat.
Wie sie alles über den Haufen werfen konnten, was sie bisher gedacht und gelebt haben.
Es wird ja viel geschimpft über die Korinther, aber ich finde, in vieler Hinsicht waren sie unseren heutigen Gemeinden weit überlegen.
Der Lapsus
Und dann denken sie, dass wenn sie mit ihrem ungläubigen Lebenspartner zusammenbleiben, dass sie sich dann verunreinigen.
Dass ihre Heiligung gestört wird durch die Beziehung (und den Sex) mit dem Unbekehrten.
Dass Gott nicht so richtig mit ihnen befreundet sein kann, solange sie sich mit dem Ungläubigen abgeben.
Wobei die Argumentation des Paulus in diesem Fall bemerkenswert ist.
Nicht durch das, was er sagt.
Sondern durch das, was er weglässt.
Er lässt nämlich die ganzen biblischen Beispiele weg.
Die vielleicht wichtig wären, damit man besser versteht, warum der ungläubige Partner mich nicht verunreinigt.
Und der Service dieses Artikels ist, dass ich Ihnen ein paar dieser Beispiele erzähle.
Damit Sie eindrücklicher erfassen können, wie recht Paulus hatte.
Die Aussätzigen anfassen.
Eine der zentralen Dinge, die sich mit dem Kommen Jesu geändert haben, ist die Beziehung zwischen rein und unrein.
Vor Jesus war Unreines ansteckend.
Wer eine Leiche anfasste, wurde unrein.
Wer Sex hatte, wurde unrein.
Wer einen Aussätzigen anfasste, wurde unrein.
Die Listen, die Sie im Buch Levitikus nachlesen können, sind lang und kompliziert, und der Weg, die Reinheit wieder zu erlangen, ist mühevoll.
Und wer unrein war, konnte Gott nicht begegnen und war somit auch vom Gottesdienst ausgeschlossen.
Denn Gott, der absolut reine, kann ja nicht einfach so mit Unreinen, Sie verstehen?
Die Veränderung
Vor Jesus war das Unreine immer stärker als das Reine.
Wenn das Unreine und das Reine zusammentrafen, gewann das Unreine.
Wenn ein Reiner etwas Unreines berührte oder tat, wurde er unrein.
Nun gut, das ist erstmal das Gesetz dieser Erde: Wenn Sie mit sauberen Händen in den Matsch fassen, werden Ihre Hände dreckig, nicht der Matsch sauber.
Und dann kam Jesus. Und er fasste den Aussätzigen an, und dann wurde nicht Jesus unrein, sondern der Aussätzige rein.
Als die Frau mit dem Blutfluss Jesus berührte, wurde nicht Jesus unrein, sondern die Frau rein.
Als Jesus mit den unreinen Zöllnern und Sündern um Zachäus aß, wurde nicht Jesus unrein, sondern Zachäus wurde rein.
Anders gesagt: Seit der Teufel besiegt ist, ist natürlich auch das Unreine besiegt.
Seit Jesus auferstanden ist, muss zwangsläufig das Reine gegen das Unreine gewinnen.
Darum schreibt Paulus Titus 1,15
15Den Reinen ist alles rein; den Befleckten aber und Ungläubigen ist nichts rein, sondern befleckt ist sowohl ihre Gesinnung als auch ihr Gewissen.
Und in Römer 14,20 sagt Paulus ebenfalls, dass für den Reinen alles rein ist.
Darum verunreinigt auch das Götzenopferfleisch den Gläubigen nicht. Die Kraft des Unreinen ist beseitigt und verflogen.
Im Alten Bund
Angedacht war der Sieg des Reinen schon im Alten Bund.
Die Priester, die aufgrund ihrer Weihe und ihres Lebensstils eine besonders hohe Reinheit hatten, wurden durch die Untersuchung eines Aussätzigen nicht unrein. Gleichermaßen musste der Hohepriester Kaiphas eine Weissagung über den Sinn von Jesu Tod absondern, die wahr war und die er selber nicht verstand (Johannes 11,51). Er war geheiligt durch sein Amt als Hohepriester und musste das Wahre sagen, obwohl er etwas Böses sagen wollte.
Ebenso sorgte der Befall mit Heiligem Geist dafür, dass das Unreine sich nicht durchsetzen konnte. Bileam war durch den Geist Gottes geheiligt und musste, solange dieser Zustand anhielt, auch gegen seinen eigenen Willen das Volk Israel segnen. Der Einfluss von Balak, immerhin König der Moabiter, war in diesem Moment ebenfalls nutzlos.
Keine Rettung
Sehr hübsch ist ja die oft gehörte Argumentation, dass gewisse Leute behaupten, ein von diesen Versen betroffener ungläubiger Ehepartner brauche sich nicht zu bekehren; er kommt aufgrund des Glaubens des Partners unbekehrt in den Himmel.
Daraus ergäbe sich natürlich eine wunderbare Missionsstrategie: Rettung durch Heirat. Wenn ein Ungläubiger sich hartnäckig weigert, sich zu bekehren, wird er eben von einem Gläubigen geheiratet, und das Problem ist gelöst.
Aber „geheiligt“ ist nicht gleich „gerettet“.
Wenn es im Alten Testament hieß, dass die Israeliten sich heiligen sollten, dann waren sie anschließend geheiligt. Aber das hatte nichts mit Rettung zu tun, sondern mit der Möglichkeit zum Umgang mit Gott.
Folglich will Paulus hier nichts über die Rettung von Ehepartner und Kindern sagen, sondern (wie aus dem Zusammenhang zu erwarten) etwas darüber, ob der ungläubige Partner den Umgang des Gläubigen mit Gott stört oder behindert.
Und Paulus sagt: Nein, tut er nicht. Das Reine ist stärker als das Unreine, das Heilige ist stärker als das Unreine.
Und das war den Korinthern offenbar noch nicht klar.
Aber Sie, Sie wissen es jetzt.