1.Korinther 7,3-5 – Der Schein der Scheinehe

Nein, sicher: Von Ihnen wäre diese Idee nicht gekommen.

Aus einer bestehenden Ehe eine platonische Ehe zu machen.

Wobei: Es gibt ja durchaus Frauen, die sich aus Sex nicht soviel machen. Denen das mitunter sogar lästig ist.

Vielleicht stammte die Idee von solchen Frauen, die die Nase voll hatten.

Verkauft hat man das Ganze aber eher als eine religiöse Idee.

Neue Schläuche

Ist aber auch verständlich:

Wenn Sie einen völlig neuen Gott erlebt haben.

Einen, der wirklich mächtig ist.

Der den Tod besiegt hat und ein Reich gebaut hat, das weit über alles Sichtbare hinausgeht.

Und mit dem müssen Sie jetzt umgehen. Irgendwie müssen Sie mit dem auch praktisch klarkommen.

Als Vorbilder haben Sie entweder eine jüdische Religion, die gesetzlich ist und viele Regeln, aber eigentlich kein Leben hat.

Oder Sie haben die Religionen des römischen Reiches, zu denen auch ein bunter Strauß persischer und arabischer Einflüsse gehört, deren Feste zwar sehr lebensfroh und dekorativ sind, wo die dazugehörigen Götter aber eigentlich nicht ernst genommen werden.

Und mit solchen Vorbildern sollen Sie jetzt ihren neuen Glauben „leben“.

Wobei das Ergebnis ja größer und bedeutender sein muss als bei den anderen Religionen, in denen der wahre Gott gar nicht zu Hause ist. Ihr neuer Lebensstil muss einem riesigen Gott entsprechen.

Die alte Bibel

Noch dazu haben Sie als „Wort Gottes“ nur das Alte Testament.

Das spricht zwar sehr positiv vom Kindersegen, sieht aber viel Schmuddel bei der damit verbundenen Körperlichkeit:

·         Die Menstruation machte kultisch unrein.

·         Der Samenerguss des Mannes machte unrein, und damit machte Sex unrein (Levitikus 15,16–18)

·         Bei bestimmten Ereignissen war es Voraussetzung, dass die beteiligten Männer einen oder mehrere Tage keinen Sex gehabt hatten: Bevor Gott auf dem Berg Sinai erscheinen konnte (Exodus 19,15), und bevor sie das heilige Brot aus der Stiftshütte in Nob essen durften (1.Samuel 21,5-6).

So konnte man also auf die Idee kommen, dass Sexualität Gott vertreibt. Dass Sexualität und die Nähe zu Gott sich ausschließen. Sex macht unrein.

Des Paulus innere Argumentation

Paulus liefert hier wenig inhaltliche Begründung für das, was er schreibt.

Das einzige Argument, das er nennt, ist, dass so eine platonische Ehe ja doch nur wieder zur Unzucht führt, weil einer von beiden dem hormonellen Druck nicht standhält.

Aber im Hintergrund liegt natürlich die biblische Lehre, dass die Ehepartner durch den Sex „ein Fleisch“ werden, und dass somit nicht einer allein über die Hälfte davon bestimmen kann. Im Grunde ist jeder des anderen Eigentum.

Auch das Wesen der Freiheit spielt eine Rolle. Denn wenn einer in seiner Freiheit entscheidet, dass es mit ihm jetzt keinen Sex mehr gibt, dann ist das zum Nachteil des Anderen. Wenn aber meine Freiheit zur Unfreiheit des Anderen führt, dann ist das nicht das, wofür Jesus gekommen ist.

Aber alle diese Argumente muss man wissen oder erahnen. Man muss in des Paulus Hinterkopf reinschauen, denn da lagen die Argumente beim Schreiben des Briefes.

Des Paulus Resümee

Nein, sagt Paulus, es wird nichts und niemand heiliger, wenn man die Sexualität aus der Ehe entfernt.

In der Summe wird es am Ende schlechter.

Darum ist das keine gute Idee.

Was machen wir nun?

Nun hat dieser Teil des Briefes es ja nicht in unsere Bibeln geschafft, weil Gott meinte, wir Christen würden mehrheitlich denken, der Sex in der Ehe trenne uns von Gott.

Auf den ersten Blick hat dieser Abschnitt sehr wenig mit unserem praktischen Leben zu tun.

Aber es geht Paulus ja immer um den Grundsatz, dass die Heiligung des Christen im ganz normalen Leben passiert.

Sie sollen Gott nicht im Außergewöhnlichen und Extremen verwirklichen.

Kein Einsiedlertum. Nicht das Leben auf einem Pfahl verbringen. Nicht sich täglich selbst auspeitschen. Nicht auf einem Nagelbrett sitzen oder stehen. (Die Dinger heißen neudeutsch „Sadhu Boards“ und sind der neue heiße Scheiß). Nicht wie die Amish ohne Strom und moderne Errungenschaften leben. Nicht wie die Juden den Sabbat halten und darum Samstags nicht mit dem Aufzug fahren, sondern zu Fuß in den 12. Stock gehen (weil Sie für den Aufzug einen oder mehrere elektrische Knöpfe drücken müssten).

Paulus geht davon aus, dass die Revolution auf einer völlig anderen Ebene passiert. Eine Meinung, die er übrigens mit Jesus gemeinsam hat, denn auch Jesus hat nicht das politische System bekämpft oder zu irgendeiner Form auffälligen Lebensstils aufgerufen. Auch bei Jesus geschah die Revolution im Kern des Lebens, nicht in seinen äußerlichen Erscheinungen.

Heilige Alltäglichkeit

Wenn Sie also aus dem Fenster schauen und Ihre Nachbarin sehen und Ihnen schon wieder das Messer in der Tasche aufgeht – heiligen Sie doch mal Ihre Gedanken über Ihre Nachbarin.

Wenn Tante Gertrud anruft und Sie schon nach den ersten beiden Sätzen vor Wut schäumen und bereit sind, allerlei unfreundliche Sachen zu sagen – heiligen Sie doch einmal Ihre Aggression.

Wenn Sie die Einzige sind, die in der Familie die Spülmaschine ausräumt, und Sie fühlen sich als Opfer einer egoistischen Meute – heiligen Sie bitte Ihre Haltung und stellen Sie sich auf die Seite des Siegers. Wenn Sie schon von der Spülmaschine besiegt werden, wie wollen Sie denn dann dem Teufel Paroli bieten?

Geben Sie dem Paketzusteller ein Trinkgeld. Der kann schließlich auch nichts dafür. (Alles unter 10 Euro ist mickerlich.) Lukas 16,9.

Hören Sie auf, beleidigt zu sein. Beleidigtsein ist keine Frucht des Geistes. Und sinnlos ist es auch.

Schauen Sie zuversichtlich in die Zukunft. Es wird eine Zukunft mit Gott sein. Eine Bessere kann es gar nicht geben. Zuversicht ist möglicherweise eine der größten Revolutionen Ihres Lebens.

Oder zusammenfassend gesagt: Denken, sprechen und handeln Sie so, dass es Gott ehrt.

Machen Sie alles, was Sie tun, in einer gehobenen Qualität.

(Das Gelaber, dass Perfektionismus krank macht, können Sie sich sparen. Von Perfektion hat keiner was gesagt.)

Und bedenken Sie, dass nicht nur Gott sieht, was Sie tun. Der Teufel, die Engel und die Dämonen sehen es auch. Und wenn Sie schon keinen Hang dazu haben, Gott im Alltäglichen zu ehren, dann ärgern Sie wenigstens den Teufel durch Ihre Haltung und Ihr Verhalten.

Komprimiert hat Paulus diese Anweisung zur Heiligung in 1. Korinther 10,31  

31Ob ihr nun esst oder trinkt oder sonst etwas tut, tut alles zur Ehre Gottes!