Matthäus 8,5 – war der Hauptmann von Kapernaum Römer?
Zweifellos ist das eine Frage voller heilsgeschichtlicher Relevanz.
Ob Sie diese Frage richtig beantworten – na gut, es entscheidet nicht über Ihr ewiges Heil.
Aber es sagt etwas darüber, wie offen und mit unverstelltem Blick Sie die Bibel lesen.
Denn natürlich war der Hauptmann von Kapernaum kein Römer.
Kapernaum lag im Königreich des Herodes Antipas.
Der war nach innen ein souveräner König.
Das Königreich war ihm vom römischen Kaiser verliehen worden.
Herodes Antipas war tributpflichtig. Und er durfte nicht gegen römische Interessen handeln.
Viel Außenpolitik war ihm also nicht möglich.
Aber innenpolitisch war er selbstständig und größtenteils unabhängig.
Friedenszeiten
In Friedenszeiten waren in solchen Königreichen keine römischen Soldaten stationiert.
Sondern solche Könige mussten selber für die Sicherheit ihres Gebietes sorgen.
Und dazu mussten sie eine eigene Armee aufstellen.
Und weil Kapernaum Grenzstadt war zum Nachbarreich des Bruders von Herodes Antipas, Philippus, war, darum hatte Herodes hier eine Garnison Soldaten stationiert. Es gab ja keine Polizei, und man wollte auch Räuberbanden keinen freien Eintritt gewähren. (Im übrigen waren die Nachbarländer alle nicht besonders judenfreundlich.)
Wie man an der Geschichte ja erkennt, war der Hauptmann von der Herkunft her Heide. Offenbar, wenn man bei Lukas nachschaut, ein Gottesfürchtiger, also ein an den jüdischen Glauben assimilierter. Aber eben doch ein Heide.
Ist auch logisch.
Denn Herodes Antipas hatte praktisch keine jüdischen Truppen. Sein Vater (Herodes der Große) war Edomiter gewesen und keineswegs Jude, und die Juden wollten einen jüdischen König und keinen ausländischen. Folglich konnte Herodes sich auf jüdische Truppen nicht verlassen. Im Zweifelsfall hätten diese Soldaten sich gegen ihn gewandt.
Darum beschäftigte Herodes für seine Armee ausländische Söldner. Die er problemlos in den nördlich von Israel gelegenen Gebieten fand.
Zeichen für Souveränität
Wäre Herodes Antipas nicht souverän gewesen, hätte er niemals den gefangenen Täufer köpfen können. Die Juden in Jerusalem, die nicht autonom waren, brauchten für das Todesurteil über Jesus die Zustimmung des Statthalters. (Was sie später bei Stephanus entweder ignorierten, oder Stephanus wurde nach dem Jahr 40 gesteinigt, als schon Herodes Agrippa I. König in Juda und Jerusalem war.)
Auch Herodes Nachfolger, Agrippa I., konnte Jakobus, Bruder des Johannes, nur deshalb töten, weil er niemandes Erlaubnis brauchte. (Agrippa I. war auch König über Jerusalem und Juda.)
Es wäre übrigens auch undenkbar gewesen, dass Herodes Antipas römische Soldaten geschickt hätte, um den Kopf des Täufers aus dem Gefängnis zu besorgen. Nicht nur, weil Rom doch mehr oder weniger ein Rechtsstaat war, sondern auch, weil es wohl nicht sein konnte, dass Herodes römischen Soldaten Befehle erteilt.
War da noch wer?
Und dann waren da noch die Soldaten, die zum Täufer an den Jordan kamen und fragten, was sie tun sollten (Lk 3,14). Nach allem bisher Gesagten können Sie sich denken, dass das wohl auch keine Römer waren. Und da diese Leute gleich nach den Zöllnern zitiert werden, kann man wohl davon ausgehen, dass ihr Ansehen in der Bevölkerung ähnlich war.
Zusammenfassung
Israel zur Zeit Jesu war viel weniger römisch, als man das aufgrund der bekannten Situation in Jerusalem immer meint. In Jerusalem waren römische Soldaten allgegenwärtig, aber im restlichen Land sah man sie selten.