Markus 3,1-6 – Eine Hassrede auf den Gehorsam

Sicherlich wollen Sie tun, was Gott gesagt hat.

Schließlich lesen Sie ja diesen Artikel.

Darum kann ich davon ausgehen, dass Sie den Willen Gottes tun wollen.

Leute, die das nicht wollen, verlaufen sich nicht in Beiträge wie diesen.

Ich schließe daraus: Sie wollen Gott gehorsam sein.

Wie es sich für einen guten Christen gehört.

Und damit sind Sie Zielgruppe für die Verkäufer feuerfester Anzüge.

Denn in der Hölle ist es heiß.

Das Vorkommen

„Gehorsam“ ist ein Begriff des Alten Testamentes. Im Neuen Testament kommt er gelegentlich vor, meint dort aber etwas anderes als „tun, was Gott gesagt hat“.

Das macht natürlich das Wort an sich schon klar. Denn „Gehorsam“ hat nichts mit Liebe zu tun. Gehorsam sind Sie, weil Sie untergeordnet sind. „Gehorsam“ beschreibt, in welcher hierarchischen Stellung Sie sich zum Befehlenden befinden.

Gehorsam braucht keine Liebe und hat mit Liebe nichts zu tun. Der Satz „ich bin aus Liebe gehorsam“ ist sinnfrei.

In der Synagoge

Die Pharisäer wollten den Willen Gottes tun.

Beziehungsweise dafür sorgen, dass andere den Willen Gottes tun.

Der Wille Gottes stand für sie auf dem Papier. In der Bibel. Wenn man also das macht, was in der Bibel angeordnet wird, dann erfüllt man den Willen Gottes.

Und der Sabbat stand in der Bibel. Wenn dort der Mann, der am Sabbat Holz gesammelt hatte, auf ausdrückliche Anweisung Gottes getötet werden musste (Numeri 15,32), dann konnte eine Heilung, die auch bis zum nächsten Tag warten konnte, am Sabbat nicht gottgefällig sein.

Das Problem dabei war, dass der Wille Gottes gar nicht auf dem Papier stand.

Denn der Wille Gottes ist das Heil. Und zwar das absolute Heil. Und damit nicht das irgendwann mal zu erwartende oder irgendwie teilweise Heil.

Das absolute Heil, das Gott will, ist immer sofort, ist immer perfekt, ist immer allumfassend. (Darum kann die Heilung nicht bis morgen warten.)

Dummerweise steht das so nicht auf dem Papier. Sondern das muss man aus all dem Geschriebenen ableiten.

Über das Wesen Gottes steht wenig im Alten Testament. Aber es gibt viele Geschichten und Poesie, die das Wesen Gottes in Gottes Reden und Handeln beschreiben.

Das erste Missverständnis

Das Missverständnis auch der heutigen Christen ist, dass sie davon ausgehen, dass die schriftlichen Anweisungen in der Bibel den Willen Gottes wiedergeben.

Das tun sie aber gar nicht. Die Geschichten und Anweisungen illustrieren den Willen Gottes, aber sie sind nicht selbst der Wille Gottes. Und das war schon im Alten Bund so, wie wir bei Jesus und dem Typen mit der kaputten Hand sehen. Der Sabbat illustriert den Willen Gottes, aber er ist nicht zwingend selbst der Wille Gottes.

… bei den Pharisäern haben wir an dieser Stelle den witzigen Punkt, dass Gott Heilung und Heil schenken will, aber die Pharisäer verbieten es, weil Gott sich gefälligst an den Sabbat zu halten hat. Wo kommen wir hin, wenn Gott einfach heilt, wann er will. (Wobei das in demokratischen Systemen natürlich so ist, dass der Präsident sich genauso den Gesetzen unterordnen muss wie der normale Bürger, auch wenn der Präsident die Gesetze selber erlassen hat. Das Reich Gottes ist aber keine Demokratie.)

Natürlich können Sie versuchen, es so zu verkaufen, dass es der Wille Gottes ist, dass dieser Mensch einen weiteren Tag mit der unbrauchbaren Hand herumläuft. De facto ist die körperliche Behinderung aber auf das Werk des Teufels zurückzuführen, auf die Gefallenheit der Welt. Es ist der Wille des Teufels, dass es den Menschen schlecht geht, nicht der Wille Gottes.

Das zweite Missverständnis

Wenn schon das Alte Testament als Gesetzbuch nur unzureichend brauchbar war und im Laufe der 1000 Jahre seiner Existenz auch einige Veränderungen und Anpassungen erfahren hat, die man schwarz auf weiß erkennen kann, dann sollte man natürlich meinen, dass jedermann klar ist, dass man das Neue Testament völlig unmöglich als Gesetzbuch verwenden kann.

Allerdings argumentieren gerade Gläubige, die es ernst meinen, oft mit dem „es steht geschrieben“ und dann kommt irgendein Verbot oder Gebot des Neuen Testamentes, das wie ein Gebot des Alten Testamentes benutzt wird.

„Ihr sollt nicht schwören“ (Mt 5,34) wird also nicht verstanden als ein Repräsentant des Willens Gottes, sondern als der nackte, bloße, nicht auslegbare Wille Gottes schlechthin. Der Text verbietet das Schwören. Mehr sagt er über Gott nicht aus. Das Schwörverbot illustriert nicht den Willen Gottes, um ihn zu erklären, sondern es ist selber dieser Wille Gottes.

Dieses Verhalten ist daraus entstanden, dass die persönliche Gottesbegegnung fehlt. Man glaubt, dass es Gott gibt, und man glaubt auch, dass Jesus gestorben und auferstanden ist und dass dieser Vorgang den Menschen die Rettung vor dem Bösen gebracht hat.

Aber Gottes Stimme hat man nie gehört, und folglich ist man darauf angewiesen, die Bibel ohne Gott zu benutzen. Und um die Bibel als Gesetzbuch zu verwenden, dazu braucht man Gott nicht. Das geht völlig unabhängig von Gott. Die Pharisäer lassen grüßen.

Tun Sie es nicht!

Sie sollen nicht tun, was Gott gesagt hat.

Sie sollen wollen, was Gott will. Ihr Wille und Gottes Wille sollen übereinstimmen, Ihr Begehren und Gottes Begehren sollen das Gleiche sein.

Und anschließend können Sie überlegen, welche Handlungen dazu führen, dass in diesem aktuellen Moment Ihr Wille geschieht. Oder der Wille Gottes, aber das ist ja nun identisch.

Es ist eine der großen Aufgaben von Jesus, dass er den Unterschied zwischen den Geboten und dem Willen Gottes erklärt und vorgemacht hat.

Hören Sie also auf, gehorsam zu sein. Sie sind kein untergeordneter Befehlsempfänger.

Sie sind geliebt, und Sie sind zum Lieben berufen.

Und mit Spruch „ich habe genau gemacht, was du gesagt hast“ kommen Sie noch nicht einmal bei Ihrem Ehepartner durch.