Johannes 7,21-24 – Gott als Angeklagter

Da braucht Gott sich nicht zu wundern, wenn es Ärger gibt.

Wenn Gott sich nicht an die Bibel hält.

38 Jahre war der Mensch am Teich krank gewesen, da wäre es auf einen Tag mehr nun auch nicht angekommen.

Und natürlich ist Gott der Schuldige. Eine solche Heilung kann ohne Gott nicht durchgeführt werden.

Und wenn hier Jesus als Sohn Gottes angeklagt wird, dann ist der ebenfalls so abhängig von Gott, so dass Gott der Verantwortliche ist.

Der Wille – doch nicht

Was Jesus hier behauptet ist, dass der Wille Gottes gar nicht der Wille Gottes ist.

Natürlich war für jeden, der lesen oder zuhören konnte, klar, dass der Sabbat der Wille Gottes ist.

Darum kommt der Sabbat ja so oft in der Bibel vor, und hatte er besonders in Notzeiten wie bei Jeremia oder Nehemia so eine ungeheure Bedeutung. Und hatte nicht Gott am Ende der Schöpfung selber den Sabbat gehalten? Na also!

Und Jesus behauptet nun, der Wille Gottes sei das umfassende Heil der Menschen. Und der Sabbat sei eigentlich nur ein Mittel, um dieses umfassende Heil der Menschen zu verwirklichen.

Schlechte Kommunikation

Nun hatte Gott das aber nie so gesagt.

Die Aussage, dass das umfassende Heil der Menschen Gottes Ziel ist, finden Sie nicht in gedruckter Form. Erst Paulus formuliert es mal, benutzt aber andere Worte: 1. Timotheus 2,4

4welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

Was Gott wirklich will, ist verborgen und nicht offensichtlich.

Das ist absichtlich so. Jesus hat diese Absicht mal in Matthäus 13,13 und ähnlichen Stellen erläutert. Die Erkenntnis Gottes und seines Willens soll beziehungsabhängig sein. Gott wird damit der Verfügungsgewalt derer entrissen, die ihn nicht lieben, aber gerne benutzen wollen.

Und so hat Jesus hier das Problem, dass er sich mit Leuten herumschlagen muss, die die Gebote lesen können, ihren eigentlichen Sinn aber nicht verstehen.

Die Argumentation

Und Jesu Argumentation ist nun: Der Sabbat muss sogar zurückstehen, wenn ein teilweises Heil erwirtschaftet wird - nämlich die Beschneidung, die den Menschen in den Bund Gottes hineinbringt.

Die Beschneidung bringt aber nur ein geringes Heil, denn der Mensch, der 38 Jahre lang krank war, war ja auch beschnitten. Und trotzdem sehr krank.

Wenn Jesus nun größeres Heil bringt als die Beschneidung – dann müsste in diesem Fall der Sabbat doch ebenfalls zurückstehen.

Man könnte auch andersherum fragen:

Ist es der Wille Gottes, dass dieser Mensch so bald wie möglich geheilt wird (was unter dem AT ein wichtiger Aspekt des Heils war), oder ist es der Wille Gottes, dass dieser Mann heute noch krank bleibt, weil ja Sabbat ist?

Das Problem unter den Pharisäern war, dass der Wille Gottes in seiner Gesamtheit ihnen nicht klar war.

Sie kannten die einzelnen Bestimmungen des Willens Gottes, die ja auch so in der Bibel drinstehen.

Aber wozu das Ganze aus Gottes Sicht dienen sollte, das verstanden sie nicht.

Der Wille Gottes in seiner Gesamtheit, der war ihnen verborgen.

Gottes grundsätzliche Sicht auf die Welt war ihnen fremd.

Die Sache mit der Logik

Eigentlich ist die Argumentation von Jesus völlig logisch.

Aber wenn man nicht will, dann hilft alle Logik nichts.

Natürlich kommt dieses Problem in unseren Gemeinden heute nicht vor.

Wir beten für die Kranken, inbrünstig und dauernd.

Nicht, dass die Bibel auch nur ein einziges Beispiel kennt, wo jemand für einen Kranken betet, der nicht im gleichen Raum ist wie der Betende.

(Wenn Sie bibelfest sind, würde Ihnen jetzt ein Beispiel einfallen. Es ging aber daneben: Der Kranke ist trotz heftigen Gebets gestorben. Weshalb Sie das Ereignis vermutlich nicht abgespeichert haben.)

Selbst Paulus hat niemals wegen Epaphroditus geschrieben, man möge für ihn beten oder man danke für die Gebete. Auch an Timotheus schrieb er nicht „ich bete für deine Gesundheit“, sondern der solle mehr Wein trinken.

Natürlich gibt es im Neuen Testament außerhalb der Evangelien Krankenheilungen. Aber da wurde der Krankheit oder dem Kranken befohlen, und / oder es wurden Hände aufgelegt. Es hat auch mal mit dem Schatten des Petrus funktioniert (Apg 5,15), und mit der Unterwäsche des Paulus ging es auch (Apg 19,12). Es gibt auch die Gnadengabe der Krankenheilung, die einige Menschen (zeitweise) haben.

Aber eines gibt es in der ganzen Bibel nicht: Das Gebet für die Gesundung eines räumlich entfernten Menschen.

Es sprechen auch alle Erfahrungen dagegen: Es funktioniert einfach nicht. (Doch, ich kenne auch die Fälle, wo ein Krebspatient, der einen Tumor mit einer Heilungschance von über 90% hatte, dann tatsächlich gesund wurde und die Gemeinde das dann auf ihre oh wie so kraftvollen Gebete zurückführte. Wozu sollen wir uns mit Statistik, Wahrscheinlichkeit und Medizin beschäftigen, wenn wir uns so schön in die eigene Tasche lügen können?)

Es kann schon deshalb nicht funktionieren, weil wir dann mehrheitlich Leute in der Gemeinde sitzen hätten, die nur da sitzen, weil es gut gegen gefährliche Krankheiten ist. Aber nicht, weil sie Gott lieben.

(Dass jemand für seine eigene Gesundung betet, ist übrigens als biblisches Muster bekannt und bewährt. Denken Sie nur an Hiskia.)

Sowohl nach der Bibel, wo es nicht vorkommt, als auch nach Erfahrung, wo es im Ernstfall nicht funktioniert, kann man erkennen, dass das entfernte Gesundbeten nichts mit dem Willen Gottes zu tun hat.

Aber interessiert das jemanden?

Statt dessen wird Gott angeklagt, weil er Kinder sterben lässt und einfach nicht unseren Willen tun will.

Der Reitstall

Es gibt in Offenbarung 6 die Dinge, die aus den ersten 6 Siegeln kommen.

Diese Dinge erscheinen, bevor der Weltenplan Gottes überhaupt eröffnet wird oder in Kraft tritt. (Denn bis zum 7.Siegel ist der Plan noch unleserlich, also verborgen.)

Es ist auch klar, dass der Befehl zum Erscheinen dieser Dinge vom Thron Gottes ausgeht.

Und da diese Dinge vor der Eröffnung des Weltenplans erscheinen, bedeutet das wohl, dass der Weltenplan auf diesen Dingen basiert.

Oder diese Dinge braucht, um zu funktionieren.

Man kann diese Dinge nicht abstellen.

Der Weltenplan Gottes basiert folglich auf

·         Dem Prinzip des Siegens. Es gibt Sieger und Verlierer. Es gibt Macht und Ohnmacht. (Frieden und Gleichberechtigung sind also nicht so Gottes Grundidee.)

·         Das Prinzip des Kampfes unter den Menschen. Krieg ist kein Unfall in Gottes System. Die Guten und die Bösen müssen sichtbar werden.

·         Das Prinzip der Ungerechtigkeit. Die Lebensmittel der Armen werden unbezahlbar, aber die Luxusgüter der Reichen nicht.

·         Das Prinzip des Todes. Gilt für Menschen, Tiere, Toaster und sogar Steine. Alles geht kaputt, nichts und niemand hält dauerhaft.

·         Das Prinzip der Christenverfolgung, und dass Gott es nicht eilig hat, denen zu helfen (so wenig wie seinem Sohn am Kreuz).

·         Das Prinzip des Weltgerichts. Aber eher später als bald.

Diese Prinzipien ziehen sich durch die ganze Bibel, aber hier in Offenbarung 6 sind sie ausdrücklich als dem Willen Gottes entsprechend vermerkt.

Auch die Realität sagt uns nichts anderes: Gott hilft den Opfern des Holocaust nicht und den afghanischen Frauen auch nicht. Gott verhindert keinen Weltkrieg und nicht den Vietnamkrieg. Der Tod ist allgegenwärtig, und Gottes Mitgefühl mit den vielen Millionen Hungernden und Unterernährten scheint nicht sehr groß zu sein.

Was aber hören wir in den Rumheulgebeten in der Gemeinde?

Gott möge Herrn Putin zur Einsicht bringen, dass der mit dem Krieg aufhört. Das Morden möge ein Ende haben. Oh Gott, sei bei den Hungernden. Bla bla bla.

Warum den Willen Gottes zur Kenntnis nehmen, wenn unser eigener Wille so schön ist?

Statt dessen dann Gott anklagen, weil er nicht das macht, was unserem Willen entspricht. 

Der Wille Gottes

Es ist nicht nur so, dass der Wille Gottes vergleichsweise verborgen ist.

Der Wille Gottes ist uns auch fremd. Ungewöhnlich. Seine Gedanken sind nicht unsere Gedanken.

Darum ist das Ganze beziehungsabhängig. Man müsste Gott immer wieder fragen, was er denn nun will.

Nur weil man theologisch gebildet ist und den Bibeltext lesen kann, kann man noch lange nicht den Willen Gottes erkennen. Den Klugen und Weisen hat Gott es bekanntlich verborgen.

Sie haben jetzt also zu tun.

Kümmern Sie sich um den Willen Gottes, der hinter dem nackten Bibeltext steht.

Die Bibelstelle, die Ihnen nicht eingefallen ist, war übrigens 2.Samuel 12,16.