Johannes 17,22 – Einheit durch Herrlichkeit

Am Ende von Johannes 17 redet Jesus lang und breit über die Einheit der Gläubigen, und da steht dann unter anderem: Joh 17,22-23

22 Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, dass sie eins seien, wie wir eins sind

23 — ich in ihnen und du in mir —, dass sie in eins vollendet seien, damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast.

Jesus behauptet, Gott habe ihm eine bestimmte Herrlichkeit gegeben, und diese Herrlichkeit hat Jesus an seiner Anhänger weitergereicht.

Und zwar mit dem Ziel, dass diese Jünger ein extrem hohes Maß an Einigkeit haben.

Und diese extreme Einheit soll dann dazu führen, dass andere Menschen begreifen, dass Gott Jesus geschickt hat und dass Gott die Anhänger von Jesus liebt.

Was Jesus nicht gesagt hat

Jesus sagt nicht, dass Gott ihm eine Meinung gegeben habe, und diese Meinung habe er jetzt an seine Anhänger weitergereicht, und nun hätten sie alle seine Meinung, und dadurch entstünde eine bombastische Einheit.

Christliche Einheit entsteht nicht dadurch, dass alle die gleiche Meinung haben, sondern dadurch, dass alle die gleiche Herrlichkeit haben.

Es ist immer wieder versucht worden, die Einheit unter den Christen herzustellen, indem man sagte, wenn nur alle das Gleiche denken würden, dann wäre die Einheit hergestellt.

Aber Einheit, sagt Jesus hier, entsteht nicht dadurch, dass alle das Gleiche denken. Sondern sie entsteht dadurch, dass alle die gleiche Herrlichkeit haben, und zwar die Herrlichkeit, die Jesus hatte, als er hier auf der Erde war.

Außenwirkung entsteht

Und infolge dessen geschieht Außenwirkung einer Gemeinde auch nicht dadurch, dass man Einheitsgedanken denkt, sondern die Außenwirkung entsteht durch eine Herrlichkeit, die alle Beteiligten besitzen. Und somit entsteht Außenwirkung auch nicht durch das Bemühen der gläubigen Menschen, also durch menschliche Kraft, sondern sie entsteht durch etwas, das in der Verfügungsgewalt Gottes steht. Gott hat etwas, was Einheit und Außenwirkung herstellen kann, und er würde es uns gerne geben.

Einheit und Außenwirkung entstehen durch etwas, was Menschen nicht machen können und über das Menschen nicht bestimmen können und was Menschen nicht einfach nach Belieben benutzen können. Sie entstehen nämlich durch die Herrlichkeit, die Jesus hier auf der Erde von Gott hatte und die er weitergereicht hat an seiner Nachfolger. Und diese Herrlichkeit hat keinen Knopf, mit dem die Gläubigen sie ein- oder ausschalten können oder mit dem die Gläubigen sie heller oder dunkler drehen können.

Wenn Sie also wissen wollen, was Sie da haben könnten, was Einheit und Außenwirkung verursacht, dann müssen Sie eigentlich nur die Herrlichkeit anschauen, die Jesus hatte.

Das prinzipielle Wesen der Herrlichkeit Jesu

Und man erkennt schnell, dass die Herrlichkeit von Jesus ja gar nicht für alle sichtbar war.

Manche Pharisäer haben zwar etwas gesehen, haben aber gesagt, dass sei die Macht des Teufels, die man da sieht. Das heißt, man kann diese Herrlichkeit mitunter sehen, aber völlig falsch interpretieren. Man sieht sie, aber man versteht sie nicht.

In Nazareth wiederum konnte man von Jesu Herrlichkeit überhaupt nichts sehen. Da war sie unsichtbar.

Damit ist klar: wenn wir in diesem Zusammenhang von Herrlichkeit reden, meinen wir nicht, dass jemand ständig von einem hellen Glanz umgeben ist. Oder dass überall Engelchöre erklingen, wohin dieser Mensch geht, oder dass dieser Mensch ständig in einen Regenbogen gewandet ist. Sondern wir reden von etwas, das gar nicht jeder sehen kann.

Auch der Täufer hat die Herrlichkeit von Jesus nicht immer sehen können. Bei der Taufe im Jordan, da hat Elisabeths Sohn den Heiligen Geist gesehen und die Stimme aus dem Himmel gehört, aber später, als er im Gefängnis war und die Dinge nicht so liefen, wie er sich das vorgestellt hatte, musste er nachfragen: Bist du es, oder sollen wir auf einen anderen warten?

Während Petrus, Jakobus und Johannes diese Herrlichkeit mal tatsächlich gesehen haben, nämlich auf diesem Berg, den man den Berg der Verklärung nennt. Da hat Jesus ihnen gezeigt, dass die Herrlichkeit tatsächlich vorhanden war, also auch in Jesus und in seiner Person vorhanden war – aber normalerweise konnte man sie eben nicht direkt sehen.

Man sieht sie.

Diese Herrlichkeit sehen und Nutznießer dieser Herrlichkeit sein konnte man nur, wenn man auf diese Herrlichkeit vertraute. All die Menschen, die Jesus baten, dass er irgendein Wunder tun möge, die sahen nichts anderes als den Mann. Keinen strahlenden Glanz, keinen Regenbogen und keine Engelchöre. Aber sie glaubten daran, dass irgendwo unter der unscheinbaren Oberfläche die Herrlichkeit sei.

Und sie war dort.

Und wenn man dran glaubte, konnte man tatsächlich ihre Wirkung erfahren – aber sie selbst sehen konnte man normalerweise nicht.

Was sehen wir?

Somit hat Jesus etwas von Gott bekommen und an uns weitergegeben, das man an seiner Wirkung erkennen kann, aber nicht direkt wahrnehmen kann. Am Ende der Zeit wird das anders sein, da wird man diese Herrlichkeit direkt sehen können, aber bis dahin wird man an sie glauben müssen und kann sie nur indirekt sehen.

Und Johannes, der die Herrlichkeit von Jesus ja sowohl direkt als auch indirekt gesehen hat, meinte wohl auch beides, als er sagte: Joh 1,14

14 Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut,

Die Begrenztheit Jesu

Was hatte Jesus für eine Herrlichkeit? Wie sah die aus, wie kann man die beschreiben? Wenn das geklärt ist, wissen wir, was auch wir haben können und sollen.

Denn die Herrlichkeit, die Jesus hier auf der Erde hatte, die war begrenzt. Sie ist ja nicht zu vergleichen mit der Herrlichkeit Gottes oder mit der Herrlichkeit, die Jesus jetzt hat. Die Herrlichkeit Gottes im Himmel ist grenzenlos und damit nicht beschreibbar. Aber Jesu Herrlichkeit hier auf der Erde war nicht grenzenlos.

Denn Gott hat z.B. die Eigenschaft der Omnipräsenz, also der Allgegenwart. Gott ist immer überall. Das macht ja einen Teil von Gottes Herrlichkeit aus, dass er räumlich und zeitlich unbegrenzt ist.

Der Mann Jesus war aber räumlich begrenzt. Der konnte nur an einem Ort auf einmal sein.

Und der Mann Jesus konnte auch nicht ohne Essen auskommen, was Gott wohl kann, und der Mann Jesus konnte auch nicht fliegen, was insofern peinlich ist, weil jede Amsel kann es, aber der Sohn Gottes konnte es nicht.

Was zu Jesu Herrlichkeit gehörte

1. Bibel verstehen

An erster Stelle von dem, was wir haben können, weil Jesus es hatte, steht das Verständnis der Bibel.

Jesus hatte das AT verstanden und konnte es erklären.

Das setzt natürlich voraus, dass man die Bibel kennt. Was man nicht kennt, kann einem noch nicht einmal rätselhaft sein. Aber Jesus konnte sogar erklären, warum nur ein syrischer General vom Aussatz befreit wurde, aber kein einziger Israelit. Er konnte erklären, warum David von dem Brot im Tempel essen durfte, das eigentlich nur die Priester essen durften (Mt 12:4), und er konnte anhand des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs erklären, warum man im Himmel nicht heiraten wird (Mt 22,31). Er konnte erklären, warum David, der ein Vorfahr des Messias sein sollte, den Messias seinen Herrn nennen konnte (Mt 22:43). Jesus konnte die Bibel so erklären, dass wir des öfteren lesen, dass die Pharisäer nicht mehr wagten, ihn irgendwas zu fragen (Mt 22,24; Mk 12,34; Lk 20,40).

Und das ist, was Gott auch für uns will. Wir sollen wissen, was Gott sagen will.

Wir sollen Gott verstehen.

Das ist ein Teil der Herrlichkeit.

Gott will, dass wir in den teilweise sehr seltsamen Texten der Bibel tatsächlich die Stimme Gottes hören. Und die Offenbarung hat Gott „Offenbarung“ genannt, nicht „Verheimlichung“. Sie wurde geschrieben, damit die Gläubigen Gott verstehen. Nicht, um ihnen noch mehr Rätsel aufzubürden.

Sie finden das Gleiche übrigens bei Paulus. Dort heißt es „Weissagung“ und „das Wort der Erkenntnis“ (1.Kor 12,8).

2. Gottes Stimme hören

Die Bibel versteht man aber nun nicht durch ein Studium der Theologie, sondern die Bibel versteht man, indem Gott sie einem erklärt. Niemand von uns ist von sich aus in der Lage, hinter die Buchstaben der Bibel zu schauen und zu entdecken, was dahinter an Wahrheit und Aussage steckt. Nur Gott kann uns zeigen, was hinter den Buchstaben steht und was die Bibel zu so einem einzigartigen Buch macht.

Man müsste also in der Lage sein, zu hören, was Gott einem sagen will. Das gehörte zur Herrlichkeit Jesu, dass er immer und immer wieder sagte, z.B. in Joh 12,50

50 Was ich nun rede, rede ich so, wie mir der Vater gesagt hat.

Oder in Joh 8,28

28 Da sprach Jesus zu ihnen: Wenn ihr den Sohn des Menschen erhöht haben werdet, dann werdet ihr erkennen, dass ich es bin und dass ich nichts von mir selbst tue, sondern wie der Vater mich gelehrt hat, das rede ich.

Und Jesus meinte damit keineswegs, dass er damals, als er im Himmel war, alles mögliche von Gott gesagt gekriegt hat, und das hat er dann mit auf die Erde gebracht, und als Baby hat er bereits alle Antworten gewusst.

Dass man die Bibel auf diese Art verstehen kann und dass man Gottes Stimme entsprechend hören kann, hat dann übrigens Paulus in aller Ausführlichkeit bewiesen. Wie sehr der Gott verstanden hatte und wie der dahinter gestiegen war, was Gott im AT eigentlich sagen wollte, das - ja, das erkennt man dann, wenn man mal verstanden hat, was Paulus in seinen Briefen so schreibt. Was man aber wiederum nur versteht, wenn Gott es einem erklärt.

2.a. Auch neben der Bibel Gottes Stimme hören.

Mitunter ist es wichtig, Gottes Stimme jenseits der Bibel zu hören. Denn es geht ja darum, im Leben zur richtigen Zeit das Richtige zu tun. Es geht darum, Gottes Aufträge zu erfüllen und nicht etwas zu tun, was Gott gar nicht unterstützt, nur weil man selbst meint, das sei jetzt gerade richtig. Jesus hat das mal so ausgedrückt: Joh 5,19

19 Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, außer was er den Vater tun sieht; denn was der tut, das tut ebenso auch der Sohn.

Sehen zu können, was Gott gerade tut oder tun will, und das dann ebenfalls zu tun, das ist ein Teil der Herrlichkeit, die man haben könnte.

Petrus ist erst aus dem Boot gestiegen und auf dem Wasser gelaufen, nachdem Jesus es ihm befohlen hatte, weil er selbst es schließlich auch gerade tat. Petrus hat es genau richtig verstanden.

Aber als die Kundschafter in der Wüste aus dem gelobten Land zurückkamen und von den Riesen erzählten und Gott das Volk zum Verbleib in der Wüste verurteilt hatte und das Volk anschließend entschied, jetzt doch das Land einzunehmen, da hat es nicht geklappt, denn jetzt entsprach es nicht mehr dem Willen Gottes.

Und darum ist es so wichtig, dass wir Gott fragen, was wir als Gemeinde tun sollen. Wir müssen sehen, an was Gott gerade strickt, um richtig mitstricken zu können. Kluges Denken hilft da alleine nicht, denn die Weisheit dieser Welt ist bekanntlich Dummheit bei Gott. Wer Rückenwind von Gott haben will, muss wissen, wo Gott gerade eine Welle macht.

Und dann aufspringen und drauf surfen.

3. Beten

Um eine Antwort oder eine Anweisung von Gott zu bekommen, muss man so beten können, dass Gott gezwungen ist zu reagieren.

Darum gibt es die Verheißungen, welche besagen, dass gewisse Gebete immer erhört werden. Diese Verheißungen hängen damit zusammen, dass Gott ja schließlich will, dass er gehört und verstanden wird. Wenn alle Gebete Roulettecharakter hätten, dann wäre die Beterei nicht nur mühsam, sondern dann würde die Menge an Gebeten die Erfolgsaussichten erhöhen.

Beten zu können, so dass Gott reagieren kann, war Teil der Herrlichkeit Jesu. Selbst im Garten Gethsemane, als Jesus Gott bat, den Kelch an ihm vorübergehen zu lassen, hat Gott reagiert. Er hat ihm nämlich einen Engel geschickt.

Alle die Verheißungen, die es über das Beten gibt, gibt es deshalb, weil es zu Jesu Herrlichkeit gehörte, dass er in Vollmacht beten konnte, und weil Jesus diesen Teil seiner Herrlichkeit an die Jünger weitergegeben hat.

Und zu glauben, dass Gott einem die Bibel erklärt oder dass Gott einem erklärt, was man als nächstes tun soll, wenn man ihn nie gefragt hat (oder wenn man ihn das letzte Mal beim Tod von Konrad Adenauer gefragt hat), das ist dann doch arg illusorisch.

4. Glauben

Als Jesus den Feigenbaum von jetzt auf gleich verdorren ließ und die Jünger das voller Erstaunen bemerkten, sagte Jesus ihnen, das könnten sie auch. Wenn sie glauben würden und nicht zweifeln, dann könnten sie sogar noch mehr. Einen Glauben zu haben, dem nichts unmöglich ist, zählt zu der Herrlichkeit, die Jesus an uns weitergereicht hat.

Schlusswort

Wenn ich jetzt noch mehr Beispiele schreibe, wo Jesus als Teil seiner Herrlichkeit etwas hatte, was er an uns weitergeben will, dann platzt das Internet.

Das Prinzip ist aber klar: Weil Jesus uns seine Herrlichkeit gegeben hat, darum haben wir eine bemerkenswerte Einheit.

Es handelt sich aber nicht um eine Einheit der Meinung.

Es handelt sich eher um eine Einheit des Geistes. Oder anders ausgedrückt: Um eine Einheit des Willens.

Es handelt sich auch um eine Einheit, die aus dem Erleben kommt.

Denn wenn wir dabei sind, wenn Bruder A so betet, dass die Wände wackeln und Schwester B die Bibel so auslegt, dass wir Gott fast körperlich spüren können, und das non-binäre C Dämonen austreiben kann, so dass die tatsächlich abhauen – dann merken wir alle, dass Gott mit uns ist und dass wir an einer gemeinsamen Sache arbeiten.

Wenn wir alle tatsächlich das wollen, was Gott will und dieses gemeinsame Ziel verfolgen, dann werden wir als Einheit ziemlich unschlagbar.

Paulus hat einmal angedroht: Wenn er nach Korinth kommt, dann wird er kontrollieren, ob bestimmte Leute dort nur stark reden können, oder ob sie tatsächlich Gottes Kraft haben (1.Kor 4,19).

Das ist genau das, über was dieser Artikel gesprochen hat.