Genesis 5,1-3 - halber Besitz
Genesis 5,1–2
1Dies ist das Buch der Generationenfolge Adams. An dem Tag, als Gott Adam schuf, machte er ihn Gott ähnlich.
2Als Mann und Frau schuf er sie, und er segnete sie und gab ihnen den Namen Mensch, an dem Tag, als sie geschaffen wurden. –
Also das wussten wir ja nun schon.
Das wussten die Komponisten der Bibel allerdings auch schon, dass wir das schon wussten.
Es geht diesen Leuten an dieser Stelle nicht darum, dass Gott die Menschen geschaffen hat.
Sondern es geht um die Gottesebenbildlichkeit.
Das steht schon im ersten Vers: Dass Gott den Adam ihm selbst ähnlich machte.
Ist wichtig, denn sonst könnte der Mensch Gott nicht als solchen erkennen, und der Mensch könnte auch keinen Heiligen Geist empfangen und könnte Gottes Stimme nicht hören.
Halbe Sache
Nun ist aber zu beachten, dass nicht der einzelne Mensch Ebenbild Gottes ist.
Ja, das hätte man gerne.
Aber der Text sagt, dass Mann und Frau zusammen Ebenbild Gottes sind.
Weder ein einzelner Mann noch eine einzelne Frau kann diese Eigenschaft für sich beanspruchen.
(Da muss man jetzt nicht kleinlich sein. Aber der Text - auch der in Genesis 2,24 - legt nun einmal Wert darauf, dass die Ebenbildlichkeit gemeinsam repräsentiert wird.)
Weitergabe
Genesis 5,3
3Und Adam lebte 130 Jahre und zeugte einen Sohn ihm ähnlich, nach seinem Bild, und gab ihm den Namen Set.
Die Ebenbildlichkeit Gottes kann nicht mittels Handauflegung weitergegeben werden. Oder was für religiöse Rituale man gerne dafür hätte.
Die Ebenbildlichkeit Gottes kann nur biologisch weitergegeben werden, also über eine natürliche Geburt.
(Ich bin sehr froh, dass ich nicht in einer Zeit leben und schreiben muss, wo Menschen geklont werden und wo man die Frage nach der Weitergabe der Ebenbildlichkeit Gottes dann nochmal neu denken muss.)
Das bedeutet natürlich, dass nur Mann und Frau gemeinsam diese Ebenbildlichkeit weitergeben können.
Ein Mann alleine kann es nicht, und eine Frau alleine auch nicht.
Weil, wie ich weiter oben schon sagte: Die Ebenbildlichkeit besitzen nur beide zusammen.
Ehebruch und Scheidung
Wenn wir also fragen, warum Gott so sehr gegen Ehebruch und Scheidung und erst recht neue Verheiratung ist, dann ist es eben deshalb, weil damit die Ebenbildlichkeit zerstört wird.
Das, was viele moralisch hochstehende Menschen hier gerne hätten, nämlich dass die Sexualität an sich irgendwie besonders heilig ist, das ist Unfug. Denn Gott erlaubt den Witwen und Witwern nach dem Tod des Ehepartners problemlos neue Sexualität, und was die biblischen Männer an Frauen und Nebenfrauen gleichzeitig hatten, das geht auf keine Kuhhaut. Auch wegen des Ganges zur Prostituierten regt das Alte Testament sich nicht auf, weder bei Juda (bei dem die Dienstleistung sogar von der eigenen Schwiegertochter kam) noch bei den Kundschaftern in Jericho, die natürlich nur ganz zufällig im Hause einer Prostituierten gelandet waren. Auch befiehlt Gott im Alten Testament die Leviratsehe, dass einer seinem nächsten männlichen Verwandten nach dessen frühen Tod mit dessen Witwe Nachkommen erschafft.
Nein, die Sexualität an sich ist nicht besonders heilig.
Aber sie ist das Mittel, mit dem die Gottesebenbildlichkeit weitergegeben wird. Allerdings in ihrer reinsten Form nur mit der rechtlichen Ehefrau.
Zwei Klassen von Menschen
Die logische Folge müsste ja nun sein, dass es zwei Klassen von Menschen gibt: Diejenigen, die Ebenbild Gottes sind, weil von einer rechtmäßigen Ehefrau und ihrem rechtmäßigen Ehemann ihnen die Gottesebenbildlichkeit weitergegeben wurde.
Und die anderen, die in anderen Konstellationen gezeugt wurden und denen deshalb die Ebenbildlichkeit Gottes nicht weitergegeben wurde.
Genaugenommen müsste es noch mehr Klassen geben, denn was ist mit einem Kind, das von rechtmäßigen Eheleuten gezeugt wurde, von denen aber ein Ehepartner einer unrechtmäßigen Zeugung entstammt und deshalb keine Ebenbildlichkeit besitzt, die er weitergeben könnte?
Nun gut, so denken Gott und die Bibel nicht.
Es gibt im Neuen Testament auch keine Strafe für Scheidung oder Ehebruch, also kein ewiges Höllenfeuer oder den Ausschluss aus der Gemeinde.
Obwohl Jesus massiv dagegen ist.
Aber es geht eben nicht um einen Katalog von Konsequenzen, sondern es geht darum, dass das einfach nicht gut ist.
Ähnliches haben wir im Neuen Testament auch bei Lügen oder Diebstahl. Es hat keine Konsequenzen in der Form, dass Gott nun nie wieder mit dem Täter redet oder dass dessen ewiges Heil unwiederbringbar dahin ist. Es ist nur einfach nicht gut, und es entspricht nicht dem Willen Gottes.
Und weil Gott selbst vollkommen ist, also nicht verbessert werden kann, darum will er diese Eigenschaft bei den Menschen, die ihm ähnlich sind, auch haben: Römer 12,2
2Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüft, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.
Wenn also Ihre Ehe gescheitert ist oder Ihre Sexualität äh ... sagen wir mal: breit gestreut ist, dann kommen Sie deswegen nicht gleich in den Feuersee, der ewig brennt.
Aber gut ist es halt auch nicht; von der Vollkommenheit ist es weit entfernt, und darum entspricht es auch nicht dem Willen Gottes.
Eine Klasse von Menschen
Gott (und damit auch die Bibel) wollen das absolut Beste für den Menschen.
Wir nennen es "das Heil". Vollkommen, perfekt, makellos. Göttlich halt.
Darum hat Jesus in Markus 3 auch den Behinderten am Sabbat geheilt und nicht noch einen Tag gewartet. Das perfekte Heil ist nicht morgen.
Darum ist Jesus so sehr gegen Ehebruch und Scheidung.
Weil die funktionierende Ehe die beste Art ist, um die Ähnlichkeit des Menschen mit Gott zu zelebrieren.
Wobei es egal ist, in welchem Gesellschaftssystem man sich befindet.
Als die Bibel geschrieben wurde, hatten wir heftigstes Patriarchat. Heute haben wir, zumindest in Europa, sowas wie Gleichberechtigung.
Als die Bibel geschrieben wurden, hatten wir Zwangsverheiratung. Heute haben wir, zumindest in Europa, die Wahlfreiheit des Ehepartners.
Dieses alles ist für Gott egal. Zumindest bezüglich der Gottesebenbildlichkeit.
Sie wird durch Mann und Frau gemeinsam am besten dargestellt.
Nebenbei
Wenn Paulus sich wie folgt äußert: Epheser 5,25
25Ihr Männer, liebt eure Frauen!, wie auch der Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat,
Dann ist das nicht nur eine soziale Anweisung, die prinzipiell der Liebe entspricht, sondern es hat eben auch den Beigeschmack, dass es innerhalb Gottes (oder innerhalb seines Ebenbildes) keinen Streit oder Unfrieden geben sollte. Gott und Jesus prügeln sich nicht, und sie reden auch nicht hintenrum über den Heiligen Geist.
Gott ist in sich einig; er ist mit sich selbst versöhnt. Das sollte für das Ebenbild Gottes idealerweise auch gelten.