Psalm 16 - Hinweise zum Asylantrag

Es geht heute morgen um einen Asylantrag.

Asylsuchender ist David, die Genehmigungsbehörde ist Gott.

Wobei dieser Psalm aber davon ausgeht, dass der Asylantrag als solcher schon genehmigt ist. Es geht in dem Psalm jetzt eher darum, welche Inhalte und Regeln Teil des genehmigten Asylantrages sind.

Der Antrag an sich

1 Bewahre mich, Gott, denn ich berge mich bei dir!

Das ist genau das Gleiche, was der afghanische Asylbewerber vom deutschen Staat erwartet, nämlich dass der deutsche Staat ihn beschützt, weil der afghanische Staat das nicht konnte.

Es folgt nun die Begründung, woher der Asylsuchende sein Recht ableitet, einen Aufenthaltstitel bei Gott bekommen zu können.

2 Ich habe zum HERRN gesagt: »Du bist mein Herr; es gibt kein Glück für mich außer dir.«

Damit erklärt der Asylsuchende, dass nicht auch noch Asylanträge in Norwegen und Albanien am Laufen hat und am Ende ein vielbeschäftigter Asyltourist ist, der drei Aufenthaltstitel hat und von Land zu Land reist, um seine staatlichen Zuschüsse abzuholen.

Es handelt sich also um eine ausschließende Feststellung. Ich erwarte mein Glück nicht in Norwegen und nicht in Albanien. Ich setze alles auf eine Karte. Damit spiele ich natürlich auf volles Risiko. Ich lasse mir kein Hintertürchen offen, wenn Gott mal nicht funktioniert.

Es gibt keinen Plan B.

Es gibt auch keine Ergänzungsanträge. Also finanziell möchte ich gerne von Deutschland gesichert und gerettet werden, aber meinen militärischen Schutz soll Russland übernehmen, und meine Liebesbeziehungen sollen die Franzosen schützen, die verstehen mehr davon.

Das hat jetzt natürlich mit dem Leben der heutigen Gläubigen nichts mehr zu tun. Die Christen machen heute normalerweise Teilasyl. Für Leben und Tod, Krankheit und allgemeine Sicherheit ist Gott zuständig, aber für Geld ist er nicht zuständig, denn davon versteht er nichts, und für meine Rechte ist er auch nicht zuständig, dafür gibt es Anwälte.

Also man beantragt Asyl bei Gott nur für die Bereiche, wo es keine Ausweichmöglichkeit gibt.

Und bei Fragen um Leben und Tod, da gibt es sonst halt niemanden; und alles das, was unter den Begriff „Schicksal“ fällt, da kennt man ja keine andere Anlaufstelle. Also da, wo es keine andere Möglichkeit gibt, wählt man Gott und ist heilfroh, dass es ihn gibt.

Und da, wo eine zweite Antragsbehörde zur Auswahl steht, wählt man die andere.

Umgang mit der Taliban

Wenn man also jetzt aus Afghanistan raus ist und in Deutschland Asyl erhalten hat, wie hält man es dann mit der Taliban, vor der man ja eigentlich mal geflüchtet ist?

3 An den Heiligen, die auf Erden sind, an den Herrlichen ist all mein Wohlgefallen.

Wenn der Afghane nach Deutschland kommt, ist er nicht gut beraten, es so zu machen wie David.

Denn wenn er sich die Deutschen zum Vorbild nimmt, dann fährt mit dem Fahrrad auf dem Gehweg oder entgegen der Einbahnstraße, denn er denkt ja, wenn die Deutschen das so machen, wird es schon richtig sein. Und dann kommt das böse Erwachen, wenn er Strafe zahlen muss.

Aber die Deutschen sind natürlich automatisch Deutsche, denen ist das Deutschsein gar nicht so wichtig. Darum wurschteln die sich irgendwie durch, und es kommt nicht so genau drauf an.

Aber für David und den Afghanen ist das natürlich enorm wichtig, jetzt hier tatsächlich Asyl bekommen zu haben, und darum nimmt David sich die zum Vorbild, die mit Absicht auf Gottes Seite stehen und nicht die, die da zufällig hingeraten sind.

Denn die, die mit Absicht da sind, denen ist es wichtig. Für die anderen kommt es immer nicht so genau drauf an. Darum kommt man mit denen als Vorbildern nicht weiter.

Um seine Auswahl zu betonen, nennt David nun auch die, die er sich nicht nur nicht zum Vorbild nimmt, sondern an deren Gottesdienst er auch nicht teilnimmt:

4 Zahlreich sind die Schmerzen derer, die einem anderen <Gott> nachlaufen; ich werde ihre Trankopfer von Blut nicht spenden und ihre Namen nicht auf meine Lippen nehmen.

Ich gehe da auch nicht mehr hin, wo Männer und Frauen in verschiedenfarbigen Nachthemden goldene Gefäße gen Himmel strecken und seltsame Gesänge von sich geben, die abgelöst werden von einem Musikinstrument mit vielen großen Röhren, das es nur in diesen Tempeln gibt. Ich bin da mal mit Absicht ausgetreten und werde mich von Gott ganz bestimmt nicht dabei erwischen lassen, wie ich da wieder mitmache.

Wenn man der Taliban entkommen ist, sagt David, ist es nicht klug, in den Ferien wieder nach Afghanistan zu fahren und so zu tun, als wäre es eigentlich gar nicht so schlimm.

Was genau ich mit der Asylgewährung bekomme

Mit Vers 5 fangen die Probleme jetzt richtig an.

Im Reich Gottes gab es damals das Erbteil. Das war der Teil vom Reich Gottes, den man von Gott zugeteilt bekommen hatte. Da konnte man Glück haben oder auch nicht. Die Tochter von Kaleb hat sich mal bei ihrem Vater beschwert, dass sie nur Steppe ohne Wasserquellen bekommen hat, woraufhin ihr Erbteil nachgebessert wurde.

Was also bekam David bei seinem Asylantrag als Erbteil? Was war der Teil vom Reich Gottes, den er als Besitz bekam?

5 Der HERR ist das Teil meines Erbes und mein Becher; du bist es, der mein Los festlegt.

Also das ist jetzt natürlich arg wenig. David kriegt Gott und sonst nichts.

Man hätte ja vielleicht doch ganz gerne ein zweites Standbein. Für schlechte Zeiten. Dass man nicht so abhängig ist.

Aber David kriegt kein Land und keine Sicherheit und keinen Vertrag und keine Goldmine. Er bekommt einfach nur Gott.

Und David sagt dann ja auch: „Du bist es, der mein Los festlegt.“ Ja, genau das ist das Problem. Ich hätte da doch gerne ein Mitspracherecht, was mein Schicksal angeht.

Also Einflussmöglichkeiten. Man kommt sich sonst so machtlos vor.

Man ist dann so beziehungsabhängig, wenn man nur Gott bekommt. Und Beziehungen sind ja immer so ein heikles Ding, mitunter recht anstrengend und von Missverständnissen geprägt.

Wenn man Geld bekommen würde, dann müsste das Geld machen, was man anordnet. Das kann nicht nein sagen.

Oder die Goldmine oder ein fruchtbares Stück Land. Also klar, dann ist auch noch nicht alles garantiert, denn die Arbeiter der Goldmine können streiken und das Land kann von Ungeziefer heimgesucht werden, aber da kann man dann immer noch was machen und was versuchen.

Aber nur Gott?

Also da gerät man vielleicht doch in eine arg einseitige Abhängigkeit.

Und darum fügt David jetzt auch eine Bewertung seines Erbteils hinzu. Also der hat eine eindeutige Meinung zu dem, was er da erhalten hat:

6 Die Messschnüre sind mir gefallen auf liebliches Land; ja, mein Erbteil gefällt mir.

Der stellt sich also hin und behauptet, er hätte es eigentlich nicht besser treffen können.

Und der David hatte ja nur Gott.

Der preist noch nicht einmal die Bibel oder den Segen oder sonst irgendwas, was mit Gott im Zusammenhang steht. Der hat nur eine Person, und er sagt, dass er die Person hat, das sei das Beste.

Im Grunde sagt David: Gott zu haben, das ist das Paradies.

Und so arg viel Beschreibung von diesem Paradiesgarten haben wir ja sowieso nicht, und vielleicht war das paradiesische am Paradiesgarten ja, dass Gott da drin war.

Und vielleicht ist es unzutreffend, wenn man sagt, Gott war im Paradies.

Vielleicht ist die Wahrheit so: Wo man Gott trifft, da ist Paradies.

Denn genau das ist, was der Rest des Psalms jetzt beschreibt.

Wie das ist, wenn man Gottes Gegenwart hat.

Und warum David den Asylantrag bei Gott immer wieder stellen würde.

Die Vorteile des gewählten Asylgebietes

7 Ich preise den HERRN, der mich beraten hat, selbst des Nachts unterweisen mich meine Nieren.

Langsam merkt man, wo der Unterschied zu den Christen ist.

Die Christen handeln aus Überzeugung.

Sie sind überzeugt, dass es Gott gibt.

Sie sind überzeugt, dass Jesus der Sohn Gottes ist und für die Menschheit gestorben ist.

Die Christen sind überzeugt, dass es ein ewiges Leben und eine Auferstehung gibt.

Das dumme ist nur, dass die Verschwörungstheoretiker auch aus Überzeugung handeln.

Und die Taliban.

Und die, die immer den Juden die Schuld geben.

Die handeln alle aus Überzeugung.

Auch die Zeugen Jehovas und die Mormonen und Ivo Sassek.

Die alle handeln aus Überzeugung.

David handelt aus Erfahrung.

Gott hatte ihn beraten. Ich habe erst gedacht, ich erzähle hier ein paar Beispiele, wie und wo und wann Gott den David direkt beraten hat, in Situationen seines Lebens hinein, aber die Samuelbücher sind voll von solchen Beispielen, und sind zu viele, und ich setze jetzt voraus, dass ein paar dieser Ereignisse bekannt sind.

David handelt aus Erfahrung.

Das ist der Unterschied

  • zwischen denen, die die feste Überzeugung haben, dass Jesus lebt, weil das in der Bibel steht und weil das so viele andere sagen und weil das irgendwie auch logisch ist, die Jesus aber nie selber getroffen haben und einfach ohne eigene Erfahrung behaupten, es sei so
  • und zwischen denen, die Jesus getroffen haben und deshalb aus Erfahrung wissen, dass der tatsächlich atmungsaktiv vorhanden ist.

Es gibt ja auf Deutsch den Ausdruck, dass man sich etwas vor Augen führen soll. Gib Dir Mühe, streng Deine Vorstellungskraft an. Die Aufforderung konnte man sich bei David sparen:

8 Ich habe den HERRN stets vor Augen; weil er zu meiner Rechten ist, werde ich nicht wanken.

Also der konnte da hinfassen, und dann war Gott da. Der musste nicht meditieren, um sich irgendwie Gott zu nähern, und der brauchte auch keine bestimmte Anbetungsmusik.

Und dass Gott für David immer greifbar war, führt jetzt zu folgendem:

9 Darum freut sich mein Herz und jauchzt meine Seele. Auch mein Fleisch wird in Sicherheit ruhen.

Das ist im Grund das, was wir von Jesus vor allem in den Abschiedsreden bei Johannes kennen. Eure Freude soll vollkommen sein.

Interessante Schlussfolgerung

Und nun macht David eine Schlussfolgerung.

Jetzt kommt etwas, das er nicht aus Erfahrung wissen kann. Und was ihm auch niemand gesagt hat und was auch in keinem Buch der damaligen Zeit stand.

Es kommt jetzt eine Schlussfolgerung, die David aus seiner Erfahrung mit Gott abgeleitet hat.

Jedesmal, wenn David Gott getroffen hat, wenn er Gott etwas gefragt hat oder auch, wenn Gott sich ungefragt geäußert hat, jedesmal hat David ein Stück der Ewigkeit gesehen.

Man kann Gott nicht sehen, ohne gleichzeitig in Gottes Welt hineinzusehen.

Man kann Gott nicht begegnen, ohne gleichzeitig mit einem Fuß da zu stehen, wo Gott eben ist. Man kann ja auch Frau Schulze nicht begegnen, ohne da zu sein, wo Frau Schulze ist. Ansonsten müsste man mit Frau Schulze telefonieren. Dann braucht man nicht da zu sein, wo Frau Schulze ist.

David hat Gott x-mal erlebt, und er weiß jetzt, wie Gott ist.

Und er hat immer wieder diesen Hauch der Ewigkeit gespürt.

Und er sagt darum: Wenn Gott so ewig ist und so viel Licht und so viel Leben und Freude, dann kann doch …

Also er sagt das so:

10 Denn meine Seele wirst du dem Scheol nicht lassen, wirst nicht zugeben, dass dein Frommer die Grube sehe.

Das ist einfach ein Hochrechnung, die er macht.

Wenn Gott ewig ist, kann doch der Mensch, der Gott begegnet ist, nicht vorübergehend sein.

Wenn Gott ewig und so voller Liebe ist, dann kann es doch nicht sein, dass der Tag kommt, da ist Gott immer noch da, aber der Mensch ist futsch. Verloren. Unauffindbar. Tot halt.

Und Gott nimmt das achselzuckend zur Kenntnis.

Es ist einfach die Hochrechnung: Wenn Gott jetzt auf der Erde nicht ohne mich sein will, dann muss das doch ein dauerhafter Wille Gottes sein, dass er nicht ohne mich sein will.

Wenn Gott so boah ey ist – und David hat Gott erlebt und weiß, wie boah ey der ist – also der hat das nicht irgendwo gelesen. Und wenn Gott wirklich so ist, wie David ihn erlebt hat, dann ist dauerhafter Tod irgendwie nicht vorstellbar.

Wenn Gott soviel Licht ist, kann doch nicht plötzlich die Finsternis über mein Leben kommen. Das Licht kann doch nicht einfach weggehen.

Also geht David von folgendem aus:

11 Du wirst mir kundtun den Weg des Lebens; Fülle von Freuden ist vor deinem Angesicht, Lieblichkeiten in deiner Rechten immerdar.

„Du wirst mir kundtun den Weg des Lebens“. Also David hat keine Ahnung, wie das jetzt alles vor sich gehen soll. Er hält das auch für Gottes Job, ihm den Weg des Lebens zu erklären und zu zeigen.

Aber das kann nicht anders kommen, denn „Fülle von Freuden ist vor deinem Angesicht“, ja, nicht in dem Buch und nicht in der Meditation und nicht in Anbetungsliedern, sondern vor deinem Angesicht.

Die Fülle von Freuden braucht zwei Anwesenheiten, nämlich meine und Gottes, und zwar zur gleichen Zeit am gleichen Ort.

Und „Lieblichkeiten sind in deiner Rechten immerdar“ – also Gottes Hand wird nicht leer, wir haben auch im Neuen Testament solche Sprüche über die Fülle und den Überfluss an Gutem.

Die Lieblichkeiten Gottes gibt es nicht in periodischen Abständen. Immerdar, steht da.

Schlusswort

Das war also der Psalm 16, der Asylantrag von David und die Begründung.

Und der steht in der Bibel drin, damit wir mit der gleichen Begründung genau so einen Asylantrag bei Gott stellen können.