Sacharja 9,1-9 – Weihnachten ist schön.

Zu der Zeit, als Sacharja sein neuntes Kapitel schrieb, war Israel von den Persern besetzt.

Und so schimpften die Israeliten zur Zeit des Sacharja auf die persische Besatzungsmacht.

Nun war Persien weit weg, die Hauptstadt lag ganz oben am Euphrat, das war viel weiter weg als Ur in Chaldäa, also wenn der Persische König nach Israel gewollt hätte, hätte er weiter reisen müssen als Abraham.

Aber man hatte an den Persern etwas, über das man sich aufregen konnte.

Die Stadtmauer wurde nicht fertig? Der persische König war schuld.

Der Tempel wurde nicht fertig? Das persische Bauministerium war schuld.

Es waren zu viele Räuberbanden im Land? Die persische Militärführung war schuld, die schickten nicht genug Soldaten.

Die persische Regierung war weit weg, der konnte man an allem die Schuld geben, denn das Gegenteil konnte ja keiner beweisen. Wenn irgendjemand etwas ändern musste, dann war es die persische Regierung.

Und dann kommt Gott und sagt: Sach 9,1

1 Ausspruch, Wort des HERRN.    Im Land Hadrach und Damaskus ist sein Ruheplatz — denn dem HERRN <gehört> das Auge von Aram ebenso wie alle Stämme Israels —  

Die Aussage ist: Das Wort Gottes setzt sich direkt vor unsere Haustür.

Hadrach und Damaskus, das ist gleich hinter der Grenze.

Und Gott kapiert offensichtlich nicht, dass die Probleme doch am Euphrat ihre Ursache haben, in der persischen Hauptstadt! Da müsste das Wort Gottes mal seine Zelte aufschlagen! Da müsste mal aufgeräumt werden!

In Washington müsste das Wort Gottes mal seinen Wohnsitz nehmen! Das ist doch die Quelle der Probleme!

Und seinen Zweitwohnsitz kann Gott in Ankara nehmen, da sitzt auch so ein Problem, oder in Pjöngjang, da kommt der Ärger her!

Aber doch nicht vor meiner Haustür!

Vor meiner Haustür will das Wort Gottes sich hinsetzen und segensreich wirken! Was soll es denn vor meiner Haustür segensreich zu wirken geben?

Wieso soll vor meiner Haustür jetzt plötzlich Segen … ?

Wer kann, der kann

Sach 9,2

2 und auch in Hamat, das daran grenzt, in Tyrus und Sidon — gewiss, sie sind sehr weise!

Ja, das hat nun noch gefehlt, dass Gott sich da hinsetzt, wo die Weisheit ist.

Da, wo ich etwas kann. Da, wo ich mich für begabt halte.

Da, wo ich denke, das kann ich besser als andere.

Und Hamat, Tyrus und Sidon, diese weisen Orte, liegen ja außerhalb des von Gott regierten Bereichs.

Und die Orte, wo ich weise bin, wo ich begabt bin, wo ich was kann, wo ich was Besonderes bin – in diesen Bereichen brauche ich Gott ja gar nicht. Da kann ich ja alleine.

Und Gott soll sich in diesem Bereich auch gar nicht breit machen. Man stelle sich vor, ich könnte gut Orgel spielen, wäre also auf diesem Gebiet sehr weise. Und dann kommt Gott und mischt sich ein und sagt, ich soll im Gottesdienst der Gemeinde die Orgel spielen.

Ja, hallo? Ich bin Künstler! Ich spiele doch nicht diese Tralala-Musik ohne jeden Anspruch im musikalischen Ausdruck! Ich bin Künstler und kein niedriger Gebrauchsmusiker! Ich spiele doch nicht diese Plastikmusik vom Siebald oder dieses Mitklatschzeug, z.B. „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“!

Und wenn Gott von Kunst nichts versteht, soll er sich raushalten! Aber sich nicht in den Bereichen breit machen wollen, wo ich gut bin!

Eine Frage des Geldes

Sach 9,3-4

3 Tyrus hat sich zwar eine Festung gebaut, hat Silber wie Staub aufgehäuft und Gold wie Straßenkot. 

4 <Doch> siehe, der Herr wird es erobern und seine Streitmacht auf dem Meer schlagen, und es selbst wird vom Feuer verzehrt.

Tyrus liegt auch direkt jenseits der Grenze. Also knapp da, wo Gott nicht mehr regiert.

Und natürlich liegt mein Geld in Tyrus. Ich leg das doch nicht da hin, wo Gott regiert! Dann hätte ich ja schon längst keines mehr!

Ich lege mein Geld doch nicht wohin, wo ich mit Gott absprechen muss, was ich mit meinem Geld machen soll!

Ich will mit meiner Familie nach Kanada zum Skiurlaub, das kostet locker 3000.-€. Und wenn ich die 3000 Euro jetzt in einen Bereich lege, wo Gott das Sagen hat – dann landet das Geld in irgendeinem Missionsprojekt oder bei irgend einem armen Schlucker! Und ich niemals in Kanada!

Soll ich wegen Gott auf meinen Urlaub verzichten? Kann ja wohl nicht sein!

Das Problem ist nur, dass Gott hier sagt, er will Tyrus erobern. Besetzen. Da, wo mein Geld ist. Da will Gott die Herrschaft antreten. Und da steht nicht nur, dass er will. Da steht, dass er wird.

Die Frage ist nun: Wie bringe ich mein Geld vor Gott in Sicherheit?

Minimal

Sach 9,5

5 Aschkelon wird es sehen und sich fürchten, auch Gaza, und wird sehr erzittern, und Ekron, weil seine Hoffnung zuschanden ist. Und der König wird aus Gaza verschwinden, und Aschkelon wird unbewohnt sein.

Also das ist jetzt wirklich albern. Der Gazastreifen heißt es genau deshalb „Streifen“, weil das tatsächlich nur ein schmaler Streifen ist. Damals, als Sacharja schrieb, war das ein schmaler Streifen, der eigentlich zu Gottes Land gehörte, aber eben nur eigentlich. Er hatte einen eigenen König, und der Streifen Land war Gott keineswegs untertan.

Ja, vielleicht gibt es so einen Streifen auch in meinem Leben. Aber es ist wirklich nur ein Streifen. Ganz schmal. Nicht der Rede wert. Da herrscht nicht Gott, sondern ein anderer König.

Aber wenn mein ganzes Leben gelobtes Land ist, Wohnort Gottes, dann muss Gott sich doch wegen diesem kleinen Streifen, wo jemand anders König ist und nicht er, da muss er sich jetzt doch nicht so wegen aufregen.

Wegen so einem kleinen Bereich, wo Gott nicht regiert – also man braucht ja fast eine Lupe, um den überhaupt sehen zu können.

Dass Gott da jetzt seine ganze Armee auffahren will, wegen so ein bisschen von Gott befreitem Land – warum kümmert der sich eigentlich nicht um die großen und wichtigen Sachen? Da gibt es doch wirklich lohnenswerte Ziele für Gott als irgendwelche abgelegenen Ecken meines Lebens!

Individualität

Sach 9,6

6 Und Mischvolk wird in Aschdod wohnen. So werde ich den Hochmut der Philister ausrotten.

Der Stolz der Philister bestand in ihrer Reinrassigkeit. Bei den Philistern gab es ja immer noch diese sehr großen Menschen, was wir z.B. von Goliath wissen. Und man war sehr stolz darauf, dass man etwas Besonderes war, und dass man nicht wie diese Juden war, bei denen ja auch seit der babylonischen Gefangenschaft so viel Volk von ganz weit weg wohnte, also die Juden waren ja überhaupt nichts Besonderes mehr.

Gut, die Juden waren was Besonderes, weil dieser Gott sich da angeblich in ihre Geschichte eingemischt hat. Aber ohne Gott waren sie überhaupt nichts Besonderes.

Also mir wäre das ja peinlich, wenn meine einzige Besonderheit meine Bekanntschaft mit Gott wäre.

Also wenn ich nicht bekannt wäre wegen meines guten Aussehens.

Oder meiner unglaublichen Intelligenz. Oder wenigstens meiner großen Allgemeinbildung.

Oder weil ich so gut Orgel spielen kann.

Also wenn meine Besonderheit sich einzig von Gott ableitet, das ist dann ja vielleicht doch ein wenig mager.

Leider ist das genau das, was Gott hier anstrebt: Er will, dass er das Besonderste an mir wird.

Gleichschaltung

Und dann sagt der Prophet noch etwas über den Götzendienst. Die Philister aßen bei ihren Gottesdiensten blutiges Fleisch und Springmäuse und solche Dinge. Darauf bezieht sich Sach 9,7

7 Und ich werde seine blutigen Fleischbrocken aus seinem Mund wegreißen und seine abscheulichen Stücke zwischen seinen Zähnen hinweg. So wird auch er als ein Rest übrig bleiben für unseren Gott und wird sein wie ein Stammverwandter in Juda und Ekron wie ein Jebusiter.

Ich soll gleichgeschaltet werden!

Ich soll so werden wie die Anderen!

Und zwar wie die Guten, wie die Frommen!

Ja, wie langweilig ist das denn?

Und meine ganzen Außengebiete sollen Gott unterworfen werden und sollen heilig werden und all meine Besonderheit soll sich von Gott her definieren!

Das Besondere an mir soll Gott sein und nicht mehr all die anderen schönen Sachen!

Ehrlich: das finde ich jetzt nicht besonders genug. Also bloß Gott, das ist mir dann doch ein bisschen wenig. Ein bisschen mehr Glanz brauche ich schon, und der persönliche Ausdruck kommt da wirklich zu kurz.

Eine Frage der Macht

Sach 9,8

8 Ich aber werde mich für mein Haus als Wache lagern <zum Schutz> vor dem, der hindurchzieht und zurückkommt, dass nie mehr ein Gewalthaber bei ihnen hindurchzieht, denn jetzt achte ich selbst auf sie.

Also jetzt wird es ganz blöd.

Denn eigentlich ist das ja ganz schön. Gott will mein ganzes Leben davor schützen, dass der Teufel da nicht reinmurksen kann.

Dass ich nicht Opfer des Teufels werde. Nicht Gefangener des Teufels. Dass ich nicht in die Fänge des Teufels gerade.

Und da ist ja auch eigentlich nichts gegen zu sagen. Ich will ja auch nicht den Teufel in meinem Leben drin haben oder den Satan als Partner oder den feuerroten Drachen als Verbündeten.

Also ich will ja eigentlich nicht, dass der Satan Macht ausübt in meinem Leben oder eine Machtbasis hat in meinem Leben oder da noch irgendwo einen Thron rumstehen hat, von dem aus er mein Leben kaputtregieren kann.

Aber das hieße in dem Zusammenhang dieses Textes ja, dass ich Gott in jeden Grenzbereich meines Leben reinreden lassen soll.

Dass der Teufel keine Macht hat in meinem Leben, das geht ja in Ordnung. Aber dass Gott jetzt alle Macht hat, das ist ja nun auch nicht, was ich will.

Dieser Vers 8 beantwortet die Frage, wer mich vor dem Teufel schützt. Nämlich Gott. Aber wer schützt mich vor Gott?

So, und was meint der Prophet nun, zu welcher Gelegenheit das alles passieren wird? Aus welchem Anlass will Gott die Randgebiete meines Lebens erobern und die Herrschaft antreten über Bereiche, über die ich bisher auch ganz gut selber geherrscht habe?

Was ist das Datum, auf das man achten muss?

Oh Tannenbaum

Sach 9,9

9 Juble laut, Tochter Zion, jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir:

Also ich bin gegen Weihnachten. Weihnachten heißt, dieser Jesus will sich überall einmischen. Denn der kommt ja nicht, um auf dem Sofa zu sitzen, Plätzchen zu essen und zuzuschauen, wie ein Buttler über einen Tigerkopf stolpert.

Sondern der kommt, um meine ganzen grenznahen Lebensgebiete einzugemeinden.

Der kommt, um jeden Tag in meinem Leben mitzureden.

Aber ich weiß, wie wir das verhindern:

Wir lesen an Weihnachten einfach erst ab Vers 9. Erst ab Sach 9,9

9 Juble laut, Tochter Zion, jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir:

Die ersten 8 Verse, die lassen wir einfach weg.

Diese Einleitung, warum der eigentlich kommen will, das lassen wir unter den Tisch fallen.

Und dann ist Weihnachten doch eigentlich ganz schön.