Jesaja 63,1-6 - Nicht mein Blut

Nein, hier spricht nicht der amerikanische Präsident.

Auch wenn man dem Klang nach annehmen könnte, hier würden Trump oder Putin oder die Hamas das Wort ergreifen.

Und nach dem Friedensnobelpreis hört sich das auch nicht an.

Gerechtigkeit

Das Thema hier ist „Gerechtigkeit“.

Und die Aussage soll sein: Gott ist gerecht.

Das bedeutet erstmal: Gott ist nicht korrupt oder irgendwie anders beeinflussbar.

Darum bemerkt der Text, dass bei diesem Gericht niemand anderer dabei ist.

Es gibt hier keine Ägypter, die die Gelegenheit nutzen, um ihre Wut abzureagieren.

Es gibt hier keine Babylonier, die mithelfen, weil dann vielleicht auch für sie noch irgendetwas abfällt.

Es gibt hier keine anderen Interessen als Gottes Interessen.

Gott berücksichtigt nicht die Meinung der Engel oder der Menschenrechtscharta oder von Tante Gertrud.

Gott fragt niemand von denen.

Mangelnde Plötzlichkeit

Dieses Gericht über die Völker entsteht auch nicht aus einem Impuls heraus.

Ungeplant.

Gott wacht morgens mit Kopfschmerzen auf und beschließt vor lauter Zorn, jetzt mal ein Gericht zu halten und gründlich durchzugreifen.

Vers 4 macht deutlich: Das war so geplant. Es gab einen Termin.

Hier äußert sich keine emotionale Wut, sondern objektiver und sachlich begründeter Zorn.

Dieses ist nicht ein ungerechter Ausbruch des Augenblicks.

Das ist ein Termin mit Ansage.

Mangelnde Objektivität

Nun ist Gottes Gerechtigkeit natürlich nicht objektiv.

Objektive Gerechtigkeit gibt es nicht.

Für Gerechtigkeit brauchen Sie immer einen Maßstab. Ein Regelwerk, das ihnen sagt, was nun als gerecht zu betrachten ist und was nicht.

Ein solches Regelwerk, dem dann auch Gott unterläge, gibt es nicht.

Gott muss also selbst bestimmen, was gerecht ist.

Und ja, das ist völlig subjektiv.

Gott ist der Meinung, dass es gerecht ist, die Feinde Gottes und die Feinde des Volkes Gottes zu vernichten.

Sie können gerne anderer Meinung sein.

Aber Gott wird seine Auffassung durchsetzen.

Weil er stark genug ist, das zu tun.

Und Gott ist nicht unparteiisch. Er ist nicht neutral. Gott ist einseitig und interessengebunden.

Die Maßstäbe für Gerechtigkeit setzt Gott selbst.

Gewaltenteilung sieht anders aus.

Anders gesagt: Gott ist auf meiner Seite.

Damit ist er automatisch gegen die, die gegen mich sind.

Das ist Teil meines Vertrauens: Dass Gott ein Feind des Teufels und seiner Helfer ist. Gott hat kein Joint Venture mit denen.

Vertrauenswürdig

Die gute Nachricht ist: In dieser seiner Gerechtigkeit ist Gott zuverlässig.

Also eben auch: Nicht korrupt.

Und wenn die Pharisäer meinen, das Gericht müsste über die Zöllner und Sünder ergehen, während Jesus vor allem ein Gericht über die Schriftgelehrten und Pharisäer ankündigt – Gott wird die Pharisäer nicht fragen, und es besteht keine Gefahr, dass Gott aus lauter Weichherzigkeit den Irrenden Recht gibt.

Sie können sich auf Gottes Gerechtigkeit verlassen.

Da geht nichts daneben. Da gibt es keine Ausreißer. Da werden Sie nicht weniger Gerechtigkeit bekommen, weil Gott noch irgendwelche Partikularinteressen bedienen muss.

Da fällt auch nicht ein Teil des Bibeltextes hinten runter, weil Gott noch die Gefühle von bestimmten Leuten berücksichtigen muss.

Ist doch gut

Beim ersten Lesen klang dieser Text sehr blutrünstig.

So wenig christlich.

Bei genauerem Hinsehen ist der Text aber voller Herrlichkeit und Schönheit.

Denn Gott ist so gerecht, dass er auch das Opfer seines Sohnes am Ende nicht übersehen wird.

Und wenn Sie tatsächlich für sich beanspruchen, dass Jesus für Ihre Sünden bestraft wurde, dann sind Ihre Sünden ein für allemal erledigt.

Dann ist das Blut, das an Gottes Mantel klebt, nicht Ihr Blut.