2.Samuel 17,23 - ein gelungener Suizid

Natürlich schlafen Sie seit Wochen schlecht.

Weil Sie sich fragen, warum derjenige, der die Samuelbücher geschrieben hat, den Selbstmord des Ahitofel da hineingeschrieben hat.

Einschließlich der Tatsache, dass jener vorher noch seine Angelegenheiten in Ordnung gebracht hat.

Das hat Sie insbesondere beunruhigt, weil Ahitofel in der Bibel kaum vorkommt, also keine bedeutungsvolle Person ist.

Vermutlich hat in Ihrer Gemeinde noch nie jemand über diesen Mann gesprochen, und ob Sie früher schon mal von ihm gehört hatten - eher unwahrscheinlich.

Es geht in den Samuelbüchern ja um David, um das auf Christus hinführende Königtum in Israel. Was will man da mit Ahitofel?

Damit Sie wieder erholsam schlafen können, schreibe ich Ihnen hier die Antworten auf Ihre Frage auf.

Der Judas

Zum einen ist Ahitofel ein Vorbild oder ein Hinweis auf Judas Iskariot.

Beide haben ihren Herrn und König an seine potentiellen Mörder verraten.

Und beide enden im Selbstmord.

Beide hatten eine Vorstellung davon, was "richtig" wäre. Ahitofel fand es richtig, David zu beseitigen, und Judas fand es richtig, Jesus endlich zum Handeln zu provozieren.

Beider Pläne gingen nicht auf.

Falschen Gegner gewählt

Zum anderen will der Autor der Samuelbücher zeigen, wer der eigentliche Machthaber ist.

Denn wie alle biblischen Bücher sind die Samuelbücher keine objektiven Geschichtsbücher. Es geht ihnen nicht darum, die absolute Wahrheit ohne irgendeine Tendenz darzustellen.

Sondern der Autor will zeigen, dass Ahitofels eigentlicher Gegner nicht David ist, sondern Gott.

Ob Ahitofel das verstanden hat, wissen wir nicht. Ob er sich das Leben nahm, weil er es sich mit Gott verdorben hatte, oder ob er sich umbrachte, weil er nach Davids Sieg dessen Rache fürchtete, steht im Text nicht drin.

In beiden Fällen hätte er Unrecht gehabt, denn Gott konnte schon im Alten Testament sehr gnädig sein, und David hat nach seiner Rückkehr nach Jerusalem sowohl Schimi (2.Sam 19,24) als auch Amasa (2.Sam 19,14) begnadigt.

Für den Leser ist es allerdings egal, ob Ahitofel verstanden hat, wer hier der Endgegner war. Hauptsache, die Leser verstehen, dass in der ganzen Geschichte Gottes Wille geschieht.

Diesem Willen Gottes hatte David natürlich nachgeholfen:

Einmal durch sein Gebet zu Gott, dass dieser Ahitofels Rat zunichte machen möge (2.Sam 15,31), zum anderen durch die Bestellung Huschais zum Geheimagenten (2.Sam 15,34).

Woran man übrigens sehen kann, wie sehr David den Rat Ahitofels fürchtete. Der muss entweder ungeheuer klug oder entschieden von Gott gesegnet gewesen sein, so dass wir folgende Information über ihn haben: 2.Sam 16,23

23Der Rat Ahitofels aber, den er in jenen Tagen gab, war, als wenn man das Wort Gottes befragte; so viel galt jeder Rat Ahitofels sowohl bei David als auch bei Absalom.

Und wenn Ahitofel tatsächlich so weise war, dann dürfte er verstanden haben, dass er hier Gott zum Gegner hat.

Ein Fehler

Was der Schreiber der Samuelbücher vermutlich nicht wusste, was er uns aber trotzdem verraten hat:

Man setzt einen von Gott eingesetzten König nicht straflos ab.

David hatte das gewusst und sich mit dieser Begründung niemals an Saul vergriffen.

Die Mitglieder des Hohen Rates in Jerusalem um das Jahr 30 n.Chr. haben es genauso wenig gewusst wie Ahitofel. Nur Gamaliel hatte später genügend Weisheit: Apostelgeschichte 5,38–39

38Und jetzt sage ich euch: Lasst ab von diesen Menschen und lasst sie laufen! Denn wenn dieser Rat oder dieses Werk aus Menschen ist, so wird es zugrunde gehen;

39wenn es aber aus Gott ist, so werdet ihr sie nicht zugrunde richten können; damit ihr nicht gar als solche befunden werdet, die gegen Gott streiten. Und sie gaben ihm Gehör.

Die Leute beschweren sich ja immer, dass Gott so untätig ist und so wenig macht.

Aber seinen König lässt Gott sich von niemandem nehmen. Den setzt er durch. Selbst wenn Ahitofel oder Judas dadurch unter die Räder kommen. In seine großen Pläne lässt Gott niemanden reinregieren.

Womit wir wieder bei dem Punkt sind, dass Gottes Wort das Zuverlässigste ist, was es auf der Welt gibt.

Denn dass Gott David zum König haben wollte, das hatte er gesagt. Das war kein geheimer Plan.

Wenn Sie also Sicherheit in irgendeiner Form haben wollen, halten Sie sich an Gottes Wort.

Entweder an eins, das Gott Ihnen selbst gesagt hat, oder an das dicke Buch.

Es gibt keine wahrere Wahrheit.

Ganz nebenbei

Ganz nebenbei verhindern Sie so auch, dass Sie zu Gottes Gegner werden:

Eine absolut aussichtslose Position.