1.Chronik 27,33 – dieser eine Freund
1. Chronik 27,32–34
32Und Jonatan, der Onkel Davids, war Ratgeber; er war ein einsichtiger und schriftkundiger Mann. Und Jehiël, der Sohn Hachmonis, war bei den Söhnen des Königs.
33Und Ahitofel war auch Ratgeber des Königs. Und Huschai, der Arkiter, war Freund des Königs.
34Und nach Ahitofel waren es Jojada, der Sohn Benajas, und Abjatar. Und Joab war Heeroberster des Königs.
Es gibt im Internet gelegentlich diesen Meme „Jeder von uns hat diesen einen Freund, der …“
Vielleicht sagt Ihnen diese Liste der Ratgeber Davids nichts, oder Sie halten die Liste einfach für einen historischen Bericht, damit man etwas hat, was man in die Geschichtsbücher schreiben kann.
Aber derjenige, der die Chronik-Bücher geschrieben hat, wollte keine neutrale Geschichtsschreibung betreiben, wie wir sie heute in Europa kennen.
Die Chroniken sind religiöse Literatur mit theologischen Absichten.
Und diese Liste der Ratgeber ist auch eine Liste der Untreue und des Unglaubens.
Jonatan
Dieser Jonatan ohne h war der, der Amnon den Rat gab, wie er seine Halbschwester Tamar zu sich ins Schlafzimmer bekäme (2.Samuel 13,3). Wo Amnon selbige dann vergewaltigte, was eine ewige Kette von Gewalttaten nach sich zog.
Natürlich hat Jonatan niemals den Hintergedanken gehabt, dass man, wenn man Tamar schon mal im Schlafzimmer hat, auch gleich einen Schritt weitergehen kann. Auf keinen Fall!
Doch, dieser Jonatan war ausgesprochen klug. Sein Rat hat funktioniert. Allerdings setzte er seine Klugheit sehr einseitig und parteiisch ein, und auch wenn Amnon sein Ziel erreichte, waren die Ergebnisse des Rates letztlich katastrophal.
Mit Gott hatte das wenig zu tun.
Joab
Joab hatte als General sicherlich seine Qualitäten. Aber er war ein mehrfacher Mörder, und sein eigener Vorteil stand ihm immer vor Augen.
Mit Gott hatte Joab gar nichts zu tun. Und dass Gott eindeutig Salomo zum Nachfolger Davids bestimmt hatte, das ignorierte er, und unterstützte den Aufstand des Adonija gegen Salomo.
David hat darum auf dem Totenbett angeordnet, dass Salomo Joab beseitigen soll (1.Könige 2,5).
Nein, letztlich konnte man Joab nicht trauen.
Abjatar
Der Typ war Hohepriester in Jerusalem (parallel zu Zadok in Gibeon) und war Ururenkel von Eli. Letzteres ist vermutlich schon vielsagend.
Während er lange Zeit treu zu David stand, vertrat er am Ende die dynastische Nachfolge des Erstgeborenen, welcher Adonija nach dem Tod all seiner älteren Brüder nun war. Dabei hatte Gott aber eindeutig Salomo zum nächsten König bestimmt (1.Chr. 22,10). Das ist für einen Hohepriester natürlich schwierig, einen Gott entgegengesetzten Standpunkt zu vertreten, weshalb Salomo ihn dann auch seines Amtes enthob und in sein Heimatdorf verbannte.
Am Ende hat er David und Gott verraten.
Ahitofel
Ahitofel war Davids Ratgeber, und zwar offenbar der schlaueste von allen (2.Sam 16,23). Er schlug sich beim Aufstand des Absalom auf Absaloms Seite, und er gab auch in diesem Fall den bestmöglichen Rat. Allerdings gibt es diese Eigenschaft des Bösen, dass es auch gegen sich selbst böse ist. Und so wollte Absalom auch den Rat von Huschai hören, und Absalom hatte soviel Angst vor seinem Vater, dass er auf Huschai hörte.
Dummerweise war Huschai ein Agent Davids und riet mit Absicht das, was Absalom schaden würde. Und Ahitofel war so schlau, dass er verstand, dass David nun gewinnen würde und dass er jetzt nicht nur David gegen sich hatte, sondern auch Gott.
Und mit dieser Erkenntnis nahm er sich das Leben.
Unglaublich schlau, aber ein Verräter. Und letztlich ein Gegner Gottes.
Huschai
Ja, eben. Der einzige, der „Freund“ des Königs genannt wird. Alle anderen waren Mitarbeiter. Begabt, kompetent, versiert.
Huschai ist derjenige, der David den Sieg über Absalom ermöglicht hat. Unter allen diesen Mitarbeitern war er der einzige Freund. (2.Sam 17)
An diesen Konstellationen hat sich nichts verändert. Wir haben in den Gemeinden eine Menge Mitarbeiter Gottes, aber wenige Freunde Gottes.
Jesus hat schon gewusst, warum er Petrus am Ende gefragt hat, ob der ihn liebt. Und nicht, ob Petrus fleißig und diszipliniert für ihn arbeiten wird.
Es steckt eine gewisse Absicht dahinter, dass das höchste Gebot besagt, dass man Gott lieben soll. Nicht, dass man ihm dienen soll. Die besten Diener sind mitunter die wirkungsvollsten Verräter.
Wie Sie schon bei Judas gesehen haben, ist es zu wenig, ein Mitarbeiter zu sein.
Entscheiden Sie bitte, was Sie sein wollen.
Jojada und Jehiel
Möglicherweise haben Sie es gemerkt: Diese beiden kamen in meiner Erklärung nicht vor. Liegt daran, dass Jehiel Erzieher der Söhne Davids war, und uns über ihn nichts weiter bekannt ist, und von Jojada wissen wir auch praktisch nichts.
Wohl dem, der nichts zu sagen hat, und der dann auch nichts sagt. In diesem Fall über Jojada und Jehiel.